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Alt 16.04.2013, 15:52   #1
Julia N
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Standard Eingewöhnung blinder Welpe

Hallo Foris,
seit drei Tagen gehört eine kleine blinde Aussie-Dame zu unserem Rudel. Sie ist 8 Wochen alt und sehr menschenbezogen.
Da dies unser erster blinder Hund ist, mache ich mir Gedanken, ob sie anders behandelt bzw erzogen werden soll als unsere beiden gesunden Rüden.
Sie kann sich noch schlecht orientieren, läuft recht oft gegen Stühle oder Türen. Den Weg zu mir findet sie nur nach einigen Fehlversuchen. Ist sie bei mir angelangt, freut sie sich so sehr, dass z.B. an das Kommando "Sitz" kaum zu denken ist. Sie mag nicht gern neben mir herlaufen, z.B. im Garten, ist einfach nur froh, mich gefunden zu haben und legt sich sofort hin. Die Leine mag sie gar nicht, versucht automatisch in die andere Richtung zu ziehen etc.
Insgesamt haben wir also kleine Anlaufschwierigkeiten.
Ich will sie bei Gott bestimmt nicht überforden und schwanke immer zwischen "Erziehung beginnt am ersten Tag" (hat bei meinen Jungs super geklappt) und "lass sie erst mal ankommen"....
Wie packe ich es richtig an? Ich dachte, ein blinder Hund sollte genau so erzogen werden wie ein gesunder, andererseits denke ich auch wieder, ich müsse nachsichtiger sein, sie hat es ja auch viel schwerer....versteht Ihr meinen Zwiespalt?
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich erst mal das Vertrauen zwischen uns aufbauen muss, da sie mir ja im wahrsten Sinne auch "blind" vertrauen muss. Und das braucht halt länger als bei einem sehenden Welpen. Erst das Vertrauen, die Orientierung zu Hause, dann die Erziehung? Wäre das der richtige Weg?
Entschuldigt bitte den langen Text....und DANKE für Eure Antworten!
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Alt 16.04.2013, 18:55   #2
MsLieschen
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Hallo und !

Ich schreibe dir mal nieder wie ich es handhaben würde, hoffe du kannst dir da etwas rausziehen:
Zunächst hast du volkommen Recht, dass ein Blindfischchen genauso erzogen werden sollte wie ein "normaler" Hund. Das bedeutet aber für mich einfach nur, dass ich da keinen Handicap-Hund vor mir sehe, sondern einen normalen Hund den es einfach nur etwas anders zu handhaben gilt. Aber ich denke du bist kein Typ der übermäßig Mitleid bekundet, zumindest ließt du dich nicht so!

Die kleine Möhre soll zwar kein Sonderstatus bekommen, dennoch musst du aufgrund der Behinderung einfach anders mit ihr umgehen!
Wenn du ein Typ bist, der gerne und viel über Körpersignale arbeitet musst du etwas umlernen und wieder viel mit dem Hund sprechen.
Evtl würde es die Situation mit den anderen Hunden auch etwas entspannen, wenn du bei dem Zwerg Komandos in einer anderen Sprache einübst.
Ich würde mich zunächst 0,0 um Dinge wie "Sitz" kümmern. Viel wichtiger ist es einem Blinden Hund ein "Stop" beizubringen.
Das meine ich mit "Sonderstatus". Vielleicht hilft es dir eine Komandoliste nach Prioriäten aufzustellen?!? Dabei würden für mich Dinge wie "Stop" "Hund", "Mensch" (wenn ein Fremdhund/Mensch zu euch kommt) an oberster Stelle stehen.
Vorteil des Stop-Komandos an erster Stelle ist, dass du dann zum Hund hin kannst und ihm evtl eine Misere ersparen kannst.

Den Abruf/Rückruf kannst du ihr vielleicht erleichtern indem du ein Signal für den richtigen Weg einbaust-ähnlich wie Topfschlagen, nur fällt das "kalt"-Wort weg. Das ganze dann natürlich erstmal auf kurze Distanzen.

Mit was gehst du denn spazieren?
Ich empfehle dringenst ein Brustgeschirr für einen blinden Hund.
Solltest du bereits eines am Zwerg haben und er zieht (wo hin? hinten? vorne?): erwarte nicht zu viel, es ist ein 8 Wochen alter Welpe welcher jetzt erstmal die Trennung von seiner Familie verkraften muss! Das kommt schon noch alles!

Allgemein möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass du viel auf deinen Bauch hören sollst und auch kannst. Beobachte das Welpenkind und du wirst ihn einzuschätzen wissen. Ist ja bei jedem Neuankömmling erstmal "komisch", geht mir nicht anders!

Liebe Grüße
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Man kann nich die Hunde der ganzen Welt retten, aber die ganze Welt eines Hundes.

Geändert von MsLieschen (16.04.2013 um 19:02 Uhr)
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Alt 16.04.2013, 19:24   #3
Julia N
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Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort! In puncto Prioritätenliste stand an oberster Stelle, dass sie ihren Namen kennt und in meine Richtung läuft, sobald ich sie rufe. Das klappt gut, bloß merke ich, dass sie sich unheimlich darauf konzentrieren muss, zu analysieren, aus welcher Richtung ich sie rufe. Kommt sie in meine Richtung, sporne ich sie mit 1000 "Fein fein!" Lockrufen an, geht sie in die komplett andere Richtung, sage ich nichts. Ich merke, sie lernt dazu, wählt häufiger die richtige Richtung. Sind wir draußen, kommt Ablenkung (unsere anderen Hunde, meine Kinder, Flugzeuge....) dazu, fällt es ihr verständlicherweise schwerer. Daher übe ich gern drinnen, sperre alle Anderen für einen Moment aus.
Thema Leine: Sie irrtitiert sich an dem Karabiner vor ihrer Nase, beißt rein, will ein wildes Zerrspiel draus machen. "Nein" kennt sie sehr gut und gehorcht super. Ich hab dann versucht, sie mit einem Leckerchen direkt vor der Nase zum Weitergehen zu motivieren. Hat ein paar Meter geklappt. Wenigstens ein Anfang. Ich hab das Gefühl, dass sie sich noch nicht weiter TRAUT, nicht, dass sie nicht weiter WILL.
Oft ist sie verunsichert, läuft fiepend durchs Haus und sucht mich. Soll ich ihr durch ein Glöckchen am Fußgelenk wirklich eine permanente Rückmeldung geben, wo ich bin? Nicht, dass sie dann denkt, sie müsste sich ständig an mir orientieren. Ich lauf ja auch nicht durchs Haus und rufe non-stop zu meinen Kindern "Hier bin ich!Hier bin ich!". Verstehst du, was ich meine? Miley soll nicht das Gefühl bekommen, ich wäre ständig in Reichweite, denn ich BIN nicht ständig in Reichweite. Sie soll ja lernen, "allein" sicher zu sein. Oder bin ich da zu hart? Ich will mir kein "Weichei" anerziehen, sondern eine selbstsichere Hundedame....
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Alt 17.04.2013, 11:01   #4
MsLieschen
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Genau so meinte ich das "Topfschlagen"!

Wenn du das Gefühl hast, dass Zwergi noch etwas Bammel vor der Umwelt hat, dann hör auf deinen Bauch! Damit sie mit den Geräuschen und Gerüchen der Umwelt besser zurecht kommt kannst du dich auch einfach mit ihr für 10-15 min einfach an einen Ort setzen und sie dort lauschen und schnüffeln lassen.
Unsere Mimi war anfangs auch sehr überfordert mit ihrer Umwelt und wir sind daher immer die selbe, kleine Strecke gegangen bis sie auf dieser ruhig war und dann um ein kleines Eckchen vergrößert. Irgendwann hat es dann Klick gemacht und wir konnten auch fremde Strecken laufen.

Zu Hause würde ich kein Glöckchen verwenden, denn wie du bereits sagtes kannst du dich ja nicht dauermelden. Aber vergiss nicht, dass auch normale Welpen stets Kontakt suchen und daher ihr Verhalten (dich zu suchen) eigentlich recht normal ist.
Du könntest ein "Entspannungssignal" aufbauen und das dann immer geben, wenn du merkst sie sucht dich und kommt in Stress.

Eine Freundin von mir hat es auf Anraten bei ihrem alten Schäfi, dessen Augen langsam nachlassen, angewandt bei Fremdbegegnungen. Wenn jetzt also eine ihm fremde Person auf sie zu kommt, die ist ihm nicht ganz geheuer ist bekommt er das Signal "Ist ok" und kann sich somit entspannen und seinen Tätigkeiten weiter nach gehen, denn Frauchen hat ihm ja mitgeteilt, dass sie die Situation im Griff hat. Nur mal so als kleines Beispiel für ein gelungenes Entspannungssignal.

Zur Orientierung:
Mimi hat auch gewisse Gegenstände zur orientierung verwendet. Gegen diese ist sie dann immer ganz vorsichtig gelaufen und in einem bestimmten Winkel abgedreht. Ganz nett zu beobachten war auch, dass Mimi ihre Nase als eine Art Blindenstock eingesetzt hat: immer etwas nach recht und links gewackelt um die Umgebung zu sichern.
Wenn du ein Stop-Signal aufbauen willst kannst du das mit den Zusammenstößen ganz gut verbinden. Immer minimalst bevor sie gegen etwas stößt sagst du Stop. Ist zwar nicht die feine englische Art, da negativ durch das Anstoßen belegt, aber so lernen sie es wirklich am schnellsten und sobald das Verhalten gezeigt wird kannst du es ja wieder positiv belegen!

Liebe Grüße und stell doch mal ein Bild von dem Zwerg ein!
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Alt 17.04.2013, 11:33   #5
Julia N
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Zitat:
Zitat von MsLieschen Beitrag anzeigen
Genau so meinte ich das "Topfschlagen"!
....heute klappt es schon viel besser, als gestern! Geht sie falsch, sage ich ein gedehntes "Nein" und sie begreift sofort, bleibt stehen, hält die Nase in den Wind und versucht, mich zu wittern. Die richtige Richtung lobe ich sofort, was sie motiviert, weiter zu stürmen.

Im Haus bzw der Etage, auf der sie sich aufhält, bewegt sie sich heute auch viiiel sicherer, findet den Weg in Richtung Terrasse und quer durchs Wohn - und Esszimmer in die Küche. Lieblingsort direkt vor der Leckerchenschublade.....

Ich denke, man sollte nicht den Fehler machen, den Hund zuviel herumzutragen, oder? Gut, wenn sie Pipi muss und es bleibt keine Zeit, sie herauszulocken, trag ich sie in den Garten. Aber sonst sollte sie zur besseren Orientierung ihre Strecken unbedingt selbst laufen, oder? Da hab ich aber das Problem mit dem offenen Treppenhaus. Unser Schlafzimmer ist im 1. OG und ich denke, es wäre besser, wenn ich sie abends NICHT immer hochtragen würde zum Schlafengehen, oder? Damit ihr kleiner Kopf verstehen kann, wie es räumlich bei uns ausschaut. Ich hab nur Angst wegen der Stufen, wenn sie da durchrutscht.....oder doch besser noch tragen?
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Alt 17.04.2013, 12:07   #6
MsLieschen
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Eigentlich solltest du ja unabhängig von ihrer Blindheit das Welpentier viel tragen, erstrecht Treppen!

Daher würde ich sie die Treppen zunächst auf jeden Fall tragen und dann später kannst du wiederrum ein Treppenkomando einführen!
Die Sache beim blinden Hund ist eben, dass du sein Augenlicht ersetzt und daher viele Kommandos aufbauen musst die der normale Hund nicht braucht, z.B. eines für Treppen und Gräben....

Freut mich zu hören, dass der Zwerg sich macht. Nur weiter so, du wirst sehen eines Tages fällt es den Passanten garnicht mehr auf, dass du einen Blindfisch hast!
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Alt 17.04.2013, 14:05   #7
Julia N
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[quote=MsLieschen;144889]Eigentlich solltest du ja unabhängig von ihrer Blindheit das Welpentier viel tragen, erstrecht Treppen!/QUOTE]

Ja, dass Welpen nicht ständig Treppen steigen dürfen, weiß ich ja, aber im normalen Alltag soll sie ja ihre eigenen Beine benutzen.
Okay, dann klammere ich die Treppe erst mal komplett aus und warte, bis sie älter ist.
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Alt 18.04.2013, 09:55   #8
MsLieschen
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Sorry, dann hatte ich dich da falsch verstanden. Mein Fehler!

Mach dir nicht so einen Kopf, es wird schon alles funktionieren und du bist ja auch kein Hundeneuling mehr!
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