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Alt 01.04.2010, 10:57   #11
Inge
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Die Frage nach Autismus finde ich hochinteressant.
Die Form des Autismus beim Hund kann nicht wie beim Menschen sein, aber ist die Form nicht egal ?

Vor 4 Jahren kam mein Dritthund. Damals 1 1/2 jährig, Hündin, bis dato gelebt in einer Massenzucht nur mit Hunden. Sie war sie völlig unsozialisiert, ein Leben mit Menschen nicht gewohnt. Sie kam zu zwei vorhandenen Hunden, die sie sofort akzeptiert haben, sie fühlt sich wohl. Vorher lebte sie mit etwa 50 Hunden, wobei Rüden ihr wohl das Futter klauten und sie auch sonst nichts zu lachen hatte.

Ihr Verhalten ansonsten war mir nicht nachvollziehbar.
Sie zeigte sich "dumm" und unbelehrbar, wobei mir klar war, dass ich nicht den richtigen Zugang zu ihr gefunden hab. Da fehlte eine Art Schlüssel, der sie verstehen lies.
Bis heute ist mir da kaum ein Fortschritt gelungen.

Sie mag nur einen Menschen, und zwar mich.
Ich lebe aber nicht allein.
Auch heute noch nach 4 Jahren schaut sie meine Tochter oder meinen LG morgens an, als würde sie die nicht kennen und noch nie gesehen haben.

Irgendwann hab ich einfach mir eingestanden, dass dieser Hund anders ist, nicht dumm, aber irgendwie in einem Trauma gefangen.
Autismus mag das nicht sein, aber da geht etwas im Kopf ab, dass keinen Einfluss von aussen zulässt.
Drei Hundeschulen hab ich besucht, Ok, eingeübte Abläufe sassen an einem Tag, am nächsten waren sie vergessen.

Tragisch aber ist und bleibt die Verschlossenheit gegen Menschen.
Ich kann sie knuddeln und drücken und hochheben.
Ein anderer, auch wenn sie ihn seit Jahren kennt, bzw. jeden Morgen neu kennenlernt, würde sie nicht mal zu fassen kriegen.

Zu Festhaltetherapie:
Kann ich nur von abraten. Bewirkt eher Furcht. Äussert sich oft in Nichtreagieren, bedeutet aber dann vielfach totale Panik.
Einen Versuch hab ich gemacht mit einem Hundepsychologen.
Er kam zu mir nach Hause, rollte sich igelartig auf dem Teppich zusammen, hatte den Hund an einem etwa 1 m langen Leinenstück.
Da er sich klein machte, keine Riesenbedrohung war, zog der Hund zwar anfangs weg, lies aber immer mal wieder ein wenig Luft an der Leine, was der Trainer dann nutzte um nachzufassen.
So kam es, dass der Hund dann ohne Angst und relativ entspannt direkt neben ihm lag. Übrigens hat das länger wie eine Stunde gedauert !!

Es fällt mir relativ leicht, diesem Hund einen "Knall in der Birne" zuzuschreiben. Seit ich das tue ist unser Zusammenleben entspannter, ich hab nicht ständig den Zwang, den Hund ändern zu wollen.
Ich liebe ihn, mit Knall vielleicht sogar noch mehr.
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Alt 26.04.2011, 11:37   #12
Aimée
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Ich möchte dieses Thema jetzt hier nochmal aufgreifen und hoffe, auch wenn der Ursprungs-Thread schon älter ist, dass hier nochmal eine "Diskussion" aufkommt oder besser ein Austausch.

Es geht um meine Hündin Aimée, wegen der ich nun auch hier im Forum bin. Aimée ist eine Mischlingshündin aus Sardinien. Sie kam vor 4 Jahren zu uns und war damals ca. 1,5 bis 2 Jahre alt. Die erste Zeit ihres Lebens ist unbekannt, keiner weiß eigentlich, wie lange sie schon in diesem riesigen Tierheim in ihrem Gehege verbrachte.

Aimée war von Anfang an sehr, sehr ängstlich. Zu Beginn war es so, dass sie sich, wenn Besuch kam, in die hinterste Ecke des Hauses zurück zog und sich nicht mehr blicken ließ. Häufig war dieser Stress noch verbunden mit Durchfall. Obwohl unsere Devise an Besucher von Anfang an war: Ignorieren, bitte. Und nicht bedrängen.
Inzwischen kann sie sich mit fremden Menschen in der Nähe aufhalten, aber nur, wenn diese sie wirklich nicht beachten.
Kinder sind für sie die absolute Hölle, ich denke, sie sind am wenigsten berechenbar für sie.
Aimée ist absolut friedlich, sie zeigt keinerlei Aggressionen. Wir haben noch zwei andere Hunde, das Zusammenleben ist absolut friedlich und Aimée würde niemals Kontra geben.

Aber Aimée kommt nie aus ihrem Schneckenhaus raus. Ihr Verhalten ist sehr tagesform-abhängig. Den einen Tag läßt sie sich von uns recht problemlos berühren, am nächsten Tag ist mein Mann für sie, als hätte sie ihn noch niemals gesehen und sie läuft vor ihm weg.
Oft beobachte ich, dass sie z.B. auf Spaziergängen stehen bleibt und einfach in die Gegend schaut, völlig in sich selbst gefangen. Sie hört dann auf keine Rufe oder ähnliches.
Was ich auch immer bemerke: Zugegebenermaßen bekommen unsere Hunde am Wochenende, wenn wir frühstücken, am Ende des Frühstücks noch ein Stück Käse. Naja, dann sitzen die drei Pelze also da vor dem Tisch. Während die beiden anderen natürlich gierig auf das Stück Käse schauen, das da gerade zerkleinert wird, schaut Aimée einem IMMER in die Augen. Unentwegt, permanent. Sie schaut NIE auf das eigentliche Objekt der Begierde.

Aimée ist aber auch sehr intelligent. In ruhiger und ihr bekannter Umgebung, z.B. einem Zimmer im Haus, lernt sie sehr sehr schnell. Sie kann z.B. mit Intelligenzspielzeug viel viel schneller umgehen als die beiden anderen Hunde.

Ach, es gibt so viel an ihr. Dazu kommt eine absolut traurige, ich würde sogar sagen depressive Grundstimmung. dDe Augenblicke, in denen sie fröhlich ist, sind sehr selten. Mit anderen Hunden spielt sie nie, für sich alleine kommt es alle paar Wochen mal ganz kurz vor.
Ehrlich bin ich manchmal am Verzweifeln, weil es einfach alles im Alltag sehr einschränkt und man nie weiß, was am nächsten Tag so möglich ist...

Hat noch jemand Erfahrung damit??
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Alt 26.04.2011, 11:50   #13
hilde
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oh das hört sich ja nicht schön an ,könnt es sein das sie traumatiesiert ist ??? du weißt ja nicht was ihr alles passiert ist .....ich weiß jetzt wirklich im moment nicht richtig weiter :( wenn du sie ja schon 4jahre hast ,würde ich jetzt einfach sagen da mußt du mit leben und das nicht so eng sehn vieleicht braucht sie einfach mehr zeit als all die andern ,bin gespannt was die andern da zu sagen und hoff ich lerne auch noch was dazu
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Alt 29.04.2011, 13:59   #14
Inge
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Komme leider erst heute zu einem Eintrag.
Danke an Aimee für ihren Eintrag.

Da sind sehr viele Ähnlichkeiten zu meiner Hündin.
Ganz auffallend das Nicht-Wiedererkennen von Leuten.

Ich musste meine Hunde jetzt für 6 Wochen in der abwechselnden Obhut meiner Tochter und meines Lebensgefährten (LG) lassen.
Für diese Hündin ein Zustand, der sie erst völlig erstarren lies. Nix mehr mit anfassen, keiner durfte sie streicheln, niemand konnte das Geschirr ausziehen.
In der 6.Woche fing sie langsam an, einiges zuzulassen.
Aber an dem Tag, als ich wieder da war, hat sie schlagartig meine Tochter und meinen LG wieder abgelehnt. Ihre Art ist dabei interessant. Nicht, dass sie die Leute nicht mag. Man hat definitiv das Gefühl, sie erinnert sich einfach nicht mehr an die beiden.

Zitat:
Inzwischen kann sie sich mit fremden Menschen in der Nähe aufhalten, aber nur, wenn diese sie wirklich nicht beachten.
Kinder sind für sie die absolute Hölle, ich denke, sie sind am wenigsten berechenbar für sie.
Aimée ist absolut friedlich, sie zeigt keinerlei Aggressionen. Wir haben noch zwei andere Hunde, das Zusammenleben ist absolut friedlich und Aimée würde niemals Kontra geben.
Trifft bei uns 100% auch zu.

Zitat:
Oft beobachte ich, dass sie z.B. auf Spaziergängen stehen bleibt und einfach in die Gegend schaut, völlig in sich selbst gefangen. Sie hört dann auf keine Rufe oder ähnliches.
Trifft bei uns 100% auch zu.

Zitat:
Aimée ist aber auch sehr intelligent. In ruhiger und ihr bekannter Umgebung, z.B. einem Zimmer im Haus, lernt sie sehr sehr schnell. Sie kann z.B. mit Intelligenzspielzeug viel viel schneller umgehen als die beiden anderen Hunde.
dto.

Zitat:
Augenblicke, in denen sie fröhlich ist, sind sehr selten.
War mal so. Meine Riga ist jetzt im 5.Jahr hier.
Sie ist entspannt und auch fröhlich.
(Meine 6 Wochen Abwesenheit waren ein Rückfall, aber nicht zu ändern.)
Ansonsten hat sie viele positive Anzeichen, dass sie sich wohl fühlt.

Zitat:
Während die beiden anderen natürlich gierig auf das Stück Käse schauen, das da gerade zerkleinert wird, schaut Aimée einem IMMER in die Augen. Unentwegt, permanent. Sie schaut NIE auf das eigentliche Objekt der Begierde.
Das ist interessant, darauf achte ich mal am Wochenende.
Bei mir sitzen auch drei verfressene und gierige Hunde, aber Riga sitzt immer hinten, drängelt nie vor. Aber wohin sie schaut, darauf hab ich noch nicht geachtet. Hol ich nach.
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Alt 29.04.2011, 20:09   #15
carasophie
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Hallo,
bei den von Euch beschriebenen Verhaltensweisen würde ich zu einer sehr guten Hundeschule gehen, zum Beispiel die von www.cumcane.de


Es kommen viele Faktoren zusammen, die so ein Verhalten auslösen und am Leben halten, besonders aber fällt mir hier die Subklinische Schilddrüsenunterfunktion ein.

Wenn man die "normalen" Schilddrüsenwerte bei einem "normalen" Tierarzt nehmen lässt, kommt meist die Antwort: alles normal, da die Ergebnisse innerhalb der Referenzwerte liegen oder nur knapp daneben.

Aber viele dieser Hunde brauchen einen höheren Thyroxin-Wert als die Referenzwerte der Labore hergeben... aufgrund ihrer sehr stressbelasteten Vergangenheit, die oft die Schilddrüse teilweise oder ganz hat zusammenklappen lassen und das ganze Regelsystem nicht mehr die neuen Stresssituationen abpuffern kann.

Das lässt sich mit entsprechender Erfahrung einstellen und nach und nach, manchmal auf einmal innerhalb von 14 Tagen werden diese Hunde zugänglicher und stabiler, man bekommt einen Fuß in die Tür und kann überhaupt erst mit einem sinnvollen Training anfangen. Diesen Prozeß, die Schilddrüsenhormone entsprechend der erhaltenen Werte UND des Verhaltens (eventuell auch noch andere Symptome wie Fellqualität) richtig einzustellen, verlangt viel Erfahrung und Geduld und eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Trainer/in und Besitzer.

Geändert von carasophie (29.04.2011 um 20:11 Uhr)
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Alt 02.05.2011, 08:25   #16
Inge
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Sämtlich-mögliche gesundheitliche Gründe kann ich ausschliessen, Hundeschulen hab ich durch.

Der Hund ist nunmal so. Seit ich das akzeptiert hab, leben wir gut miteinander.

Nicht jeder Hund muss funktionieren, jeder kann gerne anders sein.

Die Frage war hier: gibt es so etwas wie Autismus beim Hund ?
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