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Alt 29.11.2008, 16:59   #1
moorkroete
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Beiträge: n/a
Standard Tjo, wie mach ich jetzt weiter?

So ihr lieben,
bei den großen Spaziergängen, besonders wenn Autos unseren Weg kreuzen, wird mir immer häufiger klar, dass es wichtig bleibt, Anuska weiterhin zu erziehen... jetzt stellen sich mir einige Fragen....

1. Soll ich sofort wieder UO machen? oder soll ich damit noch etwas warten, bis sie ihre Erblindung verarbeitet hat?

2. Auf das Hörzeichen "Sitz" reagier Anuska nun garnicht mehr... anscheinend hat sie sich vorher immer am Sichtzeichen orientiert... was nun?

3. Da sie ja so eine Angst vor Berührungen hat, kann ich ihr auch nicht körperlich einen Tipp geben (wie Hintern runter drücken, oder sie an einen Wand drängen etc...)

Ich hab mich schon vor Anuskas Erblindung davon verabschiedet aus Anuska einen Begleithund zu machen, schon wegen ihrer Ängste... mir war es von Anfang an wichtiger, ihr die Kommandos beizubringen, die sie zu Ihrer und meiner Sicherheit beherrschen muss... also "komm", "Fuß", und "Sitz". Platz machen Podis eh nicht gern...

"Komm" klappt immernoch prima, zwar etwas motivationsloser als früher, aber sie kommt ziemlich zuverlässig... aber die andern beiden machen mir sorgen....

ich kann sie auch im Moment kaum an der Kurzen Leine führen, sie gerät dort in Panik, bzw. zerrt wie eine bekloppte, weil sie vermutlich garnicht kapiert, warum sie nicht vorwärts kommt....

Also... habt ihr Ideen, was ich machen kann?
Danke im Vorraus :)
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Alt 29.11.2008, 17:54   #2
Katja
Gast
 

Beiträge: n/a
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Huhu Annika,

ich würd sie ruhig jetzt schon wieder was tun lassen, kann ja auch just for fun sein. Gelöste Aufgaben stärken auch das Selbstbewusstsein Kennst du die Seite www.spass-mit-hund.de ? Da findest du gaaanz viele Anregungen für Sachen, die einfach Spass machen - Hund wie Halter - und das Gehirnkästchen knobeln lassen.

Hast du dich schon mal mit Clickertraining beschäftigt? Wenn Anuska keine Angst vor dem Geräusch hat (wobei man das auch noch dämpfen kann, in der Jackentasche clicken zum Beispiel) würde ichs so versuchen, ist ne ganz feine Sache.

Meine Hunde haben alle Kommandos über Clicker gelernt, "Sitz" und "Platz" habe ich eingefangen, d. h. wenn Hund sich sowieso von sich aus gesetzt hat gabs Click und Leckerchen. Und dann fängts im Oberstübchen an zu rattern - hm, wann hat die Alte geclickt, was hab ich in dem Moment getan und wenn ich genau das wieder tue, clickts dann vielleicht auch nochmal? Du würdest Anuska dabei nicht anfassen müssen (runterdrücken und abdrängen find ich persönlich eh ganz blöde) und kannst sie auch auf Entfernung bestätigen.

Leckerchen über den Kopf nach oben führen klappte bisher bei keinem meiner Hunde, warum auch immer. Und Camaron ist ein Ausnahme-Podi(-Mix), der macht durchaus gerne Platz, wenn die Bezahlung stimmt

Flexileine halte ich bei nem so ängstlichen Hund für keine gute Idee, gerade nicht, wenn auch noch Jagdtrieb im Spiel ist. Wenn sie da mal in die Leine springt und du nicht festhalten kannst, scheppert ihr der ganze Kasten hinterher und dann ma gute Nacht, Marie. Deshalb hat Ron auch keine Flexi, ich verheddere mich lieber in der Schleppleine.
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Alt 29.11.2008, 21:00   #3
Kim
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Zitat:
Zitat von moorkroete Beitrag anzeigen
1. Soll ich sofort wieder UO machen? oder soll ich damit noch etwas warten, bis sie ihre Erblindung verarbeitet hat?
Nicht warten, weitermachen. Denn Training jeglicher Art ist Bindungs- und Vertrauensfördernd.

Zitat:
2. Auf das Hörzeichen "Sitz" reagier Anuska nun garnicht mehr... anscheinend hat sie sich vorher immer am Sichtzeichen orientiert... was nun?
Neu anfangen.

Du kannst es erstmal mit viel Geduld anfangen indem Du den Moment abwartest wo sie sich von alleine hinsetzt und genau in so einem Moment, wo der Hund den Ansatz zeigt sich zu setzen, gib einfach das Kommando "Sitz". Sitzt sie, dann dolle loben und Keks. Wenn sie keine Angst vor dem Clicker-Geräusch hat wäre das natürlich das Beste zum loben und einüben.

Diese Methode habe ich die ersten Tag bei meiner Jamie angewandt. Und mit viel Geduld klappte es nach 3 Tagen bereits das sie auf Sitz den Hintern runterklappte.

Die einzige Körperhilfe die ich noch zulässig finde ist, dem Hund ganz leicht vom Rücken ausgehend zur Kruppe hin mit der Hand zu streicheln. Aber wenn sie auch da Probleme mit hat wäre es kontraproduktiv.

Zitat:
ich kann sie auch im Moment kaum an der Kurzen Leine führen, sie gerät dort in Panik, bzw. zerrt wie eine bekloppte, weil sie vermutlich garnicht kapiert, warum sie nicht vorwärts kommt....
Du führst sie aber im Geschirr, richtig?
Flexi-Leine ist ein No-Go, die können extrem leicht reißen und dieses Geräusch das sie machen beim einrollen ist nervig, besonders für ängstliche Hund. Wie Katja schon sagte, besser ist eine stabile Schleppleine.

Lass ihr den Spielraum, wenn sie die Nähe nicht mag an der kurzen Leine, dann lass es erstmal.

Arbeite an ihren Ängsten, mache Bindungsspiele und fördere ihr Vertrauen in Dich und die Umwelt.

Nochmal wegen den Geräuschen. Hat sie Angst vor einer Pfeiffe? Damit kann man auch wunderbar schnelles rankommen und Sitzen üben. Bevor man nämlich auf Entfernung ein Sitz brüllen muss weil der Hund weit weg ist, ist die Pfeiffe angenehmer da dezenter und immer eindeutig in der "Stimme".

Die Ängste von meiner blinden Jamie, zu Anfang, kann zwar nicht mit denen von Anuska vergleichen (Jamie kam schnell aus sich raus und in ihr steckt halt Schäferhund, die sind mit einem Podi nicht zu vergleichen) aber wenn Du magst kannst Du ja mal auf meiner HP http://www.Dreamdogs-Trio.de lesen was man alles mit einem blinden Hund machen kann.

Wenn die Ängste besiegt sind. Was hast Du bislang in der Richtung "gearbeitet"?
__________________
liebe Grüße Heike mit
Jamie, Aston, Indiana und
den Katzen Coopa und Lenny
sowie 6 Hühner und 1 Hahn, 3 Kaninchen, 17 Schafe und 17 Rinder

Die Wahrheit siegt durch sich selbst. Eine Lüge braucht stets einen Komplizen.

(Epiktet)






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Alt 30.11.2008, 10:41   #4
skyline
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Hallo Annika,

ich finde es nur verständlich, dass viele eurer Kommandos nicht mehr klappen, denn Anuska fehlen nicht nur die Sichtzeichen, an denen sie sich bisher offensichtlich stark orientiert hat, sondern auch Deine Mimik.
Dass sie auf Dein "Komm" reagiert, ist doch schon ganz super .
Wichtiger als die UO finde ich allerdings, dass sie sich im Alltag zurecht findet. Dabei ist sie jetzt ganz stark auf Deine Stimmlage (und Deine Stimmungslage, denn die spürt sie auch ) angewiesen, aber sie wird lernen, sich daran zu orientieren.
Den Clicker habe ich für Sky auch genutzt, habe aber festgestellt, dass er mit meiner Stimme mehr anfangen kann. Ich benutze ihn nur noch selten, weil es einfach schwierig ist, mit 3 Hunden zu clickern .
Da Sky zusätzlich zu seiner Blindheit auch einseitig taub ist, also kein räumliches Hörvermögen hat, sind für uns Kommandos wie links, rechts, vor und zurück sehr wichtig, weil er sie zur Orientierung braucht (in der UO gibt es das z.B. gar nicht). Außerdem halte ich ein Stop oder Warte oder Platz auf Distanz für ganz wichtig, damit Du Anuska vor Gefahren warnen kannst. All das finde ich erstmal wichtiger als die UO.

Nutze das, was Dir Dein Hund von sich aus anbietet. Sky z.B. konnte kein Stop oder Warte, er kann nicht einfach NUR stehenbleiben , deshalb bekommt er ein Platz (auf Distanz), weil er das viel leichter gelernt hat (ist wohl für Hütehunde kein Problem). Mir ist es nicht wichtig, ob das die perfekte UO ist, hauptsache es funktioniert .

Was die Ängste angeht, glaube ich, dass Du mit einem guten Vertrauensverhältnis viel erreichen kannst. Wie die anderen schon geschrieben haben, solltest Du daran arbeiten.
Mit Deiner Methode (Zwangspause im Einzelzimmer) kenne ich mich nicht aus, halte ich persönlich auch nicht für vertrauensfördernd.
Das Kreislaufen und die ständige Rumrennerei habe ich versucht, so oft es ging zu unterbrechen. Durch Kontaktliegen und Streichelmassagen habe ich ihm gezeigt, dass er sich bei mir beruhigen kann. Sky hat dabei relativ schnell Entspannung gefunden.
Viel seiner Ängste haben wir in den Griff bekommen (Männer, Kinder, Autos, Regen...), dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen er panisch reagiert, ohne das es für mich einen ersichtlichen Grund gibt.

Ich denke, ihr seid auf einem guten Weg, Du solltest allerdings von ihr (und auch von Dir selbst ) nicht zu viel auf einmal erwarten. Nehmt euch Zeit.
Weiterhin alles Gute.
__________________
Liebe Grüße
Petra mit dem gemischten Doppel Unkas und Makawi sowie Sky (blind) und Jette (taub)

Für Trixi, unvergessen:
Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen.
(Albert Schweitzer)


"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." (Antoine de Saint-Exupéry)
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