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Alt 10.10.2008, 23:40   #1
benjalex
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Standard Ist Angst ein Handycap?

Mir kreuchen gerade so ein paar Gedanken durch die Hirnwindungen und ich versuche sie zu ordnen. Hunde mit Ängsten, Unsicherheiten und unterschiedlichen Reaktionen darauf sind mir nicht unbekannt. Bislang hielt ich es so, das als normal im Sinne von Reaktionen/Konsequenzen durch entweder die Veranlagung, die Prägung und Sozialisation und später erlebtem oder einem Gemisch aus diesen Faktoren einzuordnen. Aber das ändert ja alles nix am Ergebnis. Ein Hund verhält sich auffällig im Alltag, steckt für uns "normale" Geschehnisse nicht so einfach weg und schlimmstenfalls fallen wir gehörig mit unseren Begleitern auf, ernsten Mitleid oder machen uns sogar unbeliebt.

Meine Frage , unerheblich welche Ursache zu Grunde liegt, ist Angst ein Handycap? Und für wen? Den Hund? Den begleitenden Menschen? Oder für beide? Ist die Angst des Hundes nicht eine völlig "normale" Reaktion auf die Bewertung von diversen Eindrücken?

Und wer hat hier den größeren "Leidensdruck"? Der begleitende Mensch oder der Hund? Und wie kann man den minimieren oder abstellen?

Viele Fragen [img][/img]


LG Bettina
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Alt 11.10.2008, 01:31   #2
Wegwarte
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Hallo Bettina,

nachdem bei mir eine sehr ängstliche Hündin eingezogen ist, würde ich aus der Erfahrung heraus sagen, dass es für die Vierbeiner schon ein schweres handicap ist. Es schränkt die Lebensqualität zumindest sehr ein.
Ein Hund, der bei jedem Geräusch in die Knie geht oder wild herumschreckt oder starr stehen bleiben muss (dauergestellter Kamm vor Aufregung) oder hechelnd am Boden liegt, dem geht es nicht gut.

Zum Glück sind viele Ängste mit Geduld und positiver Bestärkung abmildbar oder abbaubar.
Nicht alle, aber es ist manches möglich.

Und wenn es dem Vierbeiner schlecht geht, dann ist das selbstverständlich auch eine Belastung für den Zweibeiner.
Bei einem Hund, der aus Angst sehr stark nach vorne geht ist es nochmal schwerwiegender, da es im Ernstfall auch für andere gefährlich werden kann.

Aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich sagen, dass es für uns alle teilweise nicht einfach war und noch ist (aber bei Betty kommt ja noch das Schilddrüsenproblem hinzu, wovon übrigens nicht wenige Angsthunde betroffen sind, denn Stress/Angst wirkt sich auf die Schilddrüse aus), aber wir sehen auch Fortschritte und wir passen immer auf, dass wir der Betty und uns nicht zu viel zumuten.

Und wir sehen die vielen, vielen Veränderungen, die schon geschehen sind, das macht dann wieder viel Freude [img][/img]

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Alt 11.10.2008, 21:45   #3
Feldmann2005
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Hallo Bettina,
ich glaube auch das Angst ein sogar großes Handicap sein kann. Es kommt natürlich immer drauf an wie sehr der Hund oder der Halter durch diese Angst im Alltag beeinträchtig sind. Wer den größeren Leidensdruck hat ist schwer zu beantworten, liegt meistens daran wie vor allem der Halter mit dieser Situation umgeht. Falsches Mitleid ist da fehl am Platz. Ich denke den Hund soviel wie nötig zu fordern, ihn aber keineswegs zu überfordern wäre da meine Devise. Notfalls mit professioneller Hilfe wenn ich dem allein nicht gewachsen bin. Wichtig ist denke ich vor allem das ich als Halter Ruhe bewahre damit sich meine Sorgen nicht auch noch auf den Hund übertragen. LG Leni
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Alt 11.10.2008, 22:36   #4
Katja
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Huhu Bettina,

in gewissem Maße gehören Ängste wohl einfach zum Leben, beim Hund wie beim Mensch. Und manchmal ist Angst vielleicht sogar gesund, weil sie uns davon abhält Dinge zu tun, die gefährlich werden könnten. So lange das alles im Rahmen bleibt ist das sicher trotzdem nicht schön, aber für Mensch und Hund zu bewältigen.

Wenn aber die Ängste mehr und mehr das Leben bestimmen und ein normaler Alltag kaum mehr möglich ist, dann empfinde ich das schon als deutliches Handicap. Ich glaube, richtige Angst-Hunde sind durch ihre seelische Behinderung, wenn man so will, wesentlich eingeschränkter als unsere Hunde mit ihren körperlichen Behinderungen.

LG
Katja
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Alt 12.10.2008, 13:31   #5
Vera
Spiki-Fan
 
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

</span></p><div style="margin:20px; margin-top:5px"><span class="smallfont">Zitat:</span><table class="tablebgcolor" cellpadding="4" cellspacing="1" border="0" width="100%"><tr class="quotecolor"><td><span class="normalfont">
Katja schrieb am 11.10.2008 20:36
Ich glaube, richtige Angst-Hunde sind durch ihre seelische Behinderung, wenn man so will, wesentlich eingeschränkter als unsere Hunde mit ihren körperlichen Behinderungen.

LG
Katja</span></td></tr></table></div>

<span class="normalfont">





Huhu Bettina,

meine Dana ist ja eine Angst-Maus und zur "Krönung" ist sie dann noch
vor. ca. 2,5 Jahre plötzlich erblindet...mit meiner Maus habe ich alle Hände voll zu tun...

Wenn Dana "nur" blind wäre und ansonsten eine "normale" Persönlichkeit hätte, wäre unser
Leben in ganz vielen Dingen wesentlich einfacher zu meistern...

Ich persönlich halte "Ängste" für ein sehr, sehr großes Handicap.

LG
Vera
__________________
Liebe Grüße von Vera
mit
dem kleinen, gehbehinderten JRT-Rüden Spiki (PL operiert) und
Dana, meiner blinden
Hündin ( † 12.11.09 um 18.45 Uhr ) • Dana, I miss you so much •

"
Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“ (Aldous Huxley)

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Alt 12.10.2008, 14:33   #6
Kati
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Also ich finde auch, dass die Narben auf Doddis Seele - die sich manchmal eben in großer Unsicherheit bis hin zu Panikanfällen äußern - ein wesentlich größeres Handicap sind als ihr fehlendes Bein.
Körperlich ist sie bisher kaum beeinträchtigt.
Aber dass ihre ersten Lebenswochen und - monate alles andere als ideal waren, hat sich mit zunehmendem Alter immer mehr gezeigt.
Das hat mich übrigens auch überrascht: Als Welpe und Junghund war Doddi recht unbefangen, je "erwachsener" sie geworden ist, um so sensibler reagierte sie auf angstmachende Situationen.
Allerdings kann sie durch ihr Vertrauen in mich inzwischen recht gut damit umgehen - der letzte totale Zusammenbruch mit unter sich pieschen, auf dem Bauch kriechen und markerschütterndem Schreien ist inzwischen Jahre her.

__________________
Kati mit Doddi im Arm und Jule im Herzen
"Die, die wir lieben, sterben nicht von uns weg.
Sie sterben in uns hinein und bleiben als Erinnerungen für immer bei uns !"
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Alt 12.10.2008, 19:56   #7
User gelöscht!
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

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Alt 15.10.2008, 04:21   #8
benjalex
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Ups, doppelt.
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Alt 15.10.2008, 04:24   #9
benjalex
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Vielen lieben Dank für euere Beiträge!
Ich habe hier 3 Angsthunde ganz unterschiedlicher Couleur. Einer ging nach vorne, 2 in die Flucht, bzw. kombiniert wenn keinerlei Ausweg mehr erkennbar war, dann auch zubeissen. Die Anlässe waren dabei sehr individuell, die Reaktionen der Hunde auch unterschiedlich nachhaltig (gemeint ist der Stresspegel). Der vierte Hund ist lediglich situationsbedingt unsicher und sehr leicht handelbar.

Mitleid spielte bei mir zugegebenerweise anfangs eine Rolle, bei meinem ersten Hund (Angstflüchter), nach und nach lernte ich jedoch nicht nur Mitleid zu empfinden und das Ruder in die Hand zu nehmen. Zugegebenerweise muss man trotz aller Vorsätze manchmal vor Alltagssituationen kapitulieren, die man einigermaßen erträglich durch ein gewisses Management gestalten möchte nicht wirklich bis in die allerletzte Kleinigkeit absichern kann weil einfach zu viele Faktoren, Menschen, Zufälle einem den Erfolg verhageln können.

Es gibt oder gab Situationen in denen es sehr schlecht gelaufen ist, die Konsequenz war für mich damals in erster Linie Druck auf allen Seiten raus zu nehmen. Letztlich kann man so etwas managenen solange man nicht in einem dicht besiedelten Gebiet ohne Auto lebt.

Die Frage ist halt, was bin ich bereit zu akzeptieren/zu managen um allen ein halbwegs erträgliches Leben ohne großen Stress zu ermöglichen. Und: was kann ein Hund lernen, wenn er zwar keinen Stressfaktoren mehr ausgesetzt ist, Baustellen die zu bearbeiten wären daher aber auf der Strecke bleiben.

Kann man mit einem gewissen Management tatsächlich Aggressionen abstellen? Ängste an den Wurzeln packen?

Ich habe 4 Hunde. Und für jeden dieser Hunde würde ich andere Antworten geben. Ich bin nicht besonders stolz darauf 4 Hunde zu haben, es kam einfach so dazu, aber sie haben mich sehr viel gelehrt. Eben dass es keine allumfassende Antwort auf meine Fragen gibt und irgendwie freue ich mich darüber, über die Individualität, keine Schubladen [img][/img]

LG Bettina
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Alt 15.10.2008, 17:09   #10
Wegwarte
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Standard Re: Ist Angst ein Handycap?

Hallo Bettina,

ich denke man muss ganz speziell die Lebenssituation, die man hat und dann noch die Möglichkeiten, die bei dem Vierbeiner gegeben sind, sehen.
Und da den besten Weg finden.

Den Vierbeiner nicht überfordern, aber dennoch schaun, dass die Einschränkungen verringert werden können so gut es geht.

Bei Betty hatten wir das Glück, dass sie auf das Training gut ansprach und dementsprechend ist einiges möglich geworden, bei dem sie vorher mit panischem Herumschrecken reagierte.
Es gibt aber Grenzen. Wir werden nie mit ihr in einen belebten Ort gehen können. Aber OK, das müssen wir auch nicht.

Man muss bei allem Üben immer bedenken: Stress macht krank. Deshalb bin ich persönlich nicht der Meinung, dass man auf biegen und brechen alles erreichen muss und ich bin der Meinung, dass das Üben gut dosiert sein sollte. Klar mögen die Erfolge super toll sein, aber möglicherweise hat man nachher mit körperlichen Spätfolgen zu kämpfen, wenn der Vierbeiner ständig überfordert wird, nur damit er ins Schema passt.

Bettys SDU ist nach Ansicht der TÄ mit eine Folge ihres hohen Stresslevels. Obwohl wir mit ganz viel Geduld und Ruhe dran geblieben sind und nur daran gearbeitet haben, dass sie den Alltag besser bewältigen kann. Wir hatten keine andere Wahl, aber wenn es um Situationen geht, die man gut dosieren kann, dann sollte man es auch tun.

Und ja: ich denke man kann viele Ängste eindämmen und Aggressionen verhindern. Aber ich bin der Meinung die Arbeit geht über die Basis von tiefem Vertrauen, von positiver Bestärkung, Respekt und Achtung. Ohne Druck und Gewalt.
An der Wurzel packen, das weiß ich nicht. Kommt wohl immer darauf an. Betty wird eine ängstliche Hündin bleiben, aber ich denke man kann auf Dauer neue Lösungstrategien mit den Vierbeinern zusammen erarbeiten, so dass sie irgendwann dann auch wenn es eng wird anders reagieren, als es früher der Fall war.
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