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Alt 08.04.2007, 22:46   #1
Vera
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Standard Dana

Meine Dana ist im Alter von ca. 18 Wochen zu uns (mein Ex / ich) gekommen.

Dana´s Mama, Asta, war zu diesem Zeitpunkt ca. 10,5 Jahre alt...und in einem absolut verängstigtem Zustand, auch der Allgemeinzustand ließ sehr zu wünschen übrig...[img][/img]

Zu diesem Wurf gehörten noch ein Rüde (hat der Bauer selbst behalten) und 2 Weibchen.

Wenn es damals nach mir gegangen wäre, hätte ich Dana nicht mitgenommen, weil ich
mir schon vorstellen konnte, das dies keine leichte "Geschichte" werden würde und ich mir
dies einfach nicht zu getraut habe (erster eigener Hund).

Mein Ex sagte, das wäre kein Problem, schließlich wären er und seine Eltern schon jahrelang auf dem Hundeplatz (Schutzdienstausbildung...)das würde man alles schon mit den geeigneten Mittel
in den Griff bekommen. Ich vertraute und glaubte ihm, wie leider in viel zu vielen Dingen.....

Als der Bauer auch noch sagte, wenn ihr die "Schwatte" nicht mit nehmt, dann ersaufe ich eben "3" im Teich, willigte ich schließlich ein...am liebsten hätte ich alle mitgenommen...

So, kam es wie es kommen musste. Das ganze entwickelte sich zu einer totalen Katastrophe...

Dana verkroch sich nur, gefressen hat sie nur ab Mitternacht, wenn alles still und ruhig war, man durfte keinerlei Geräusche machen, ansonsten stellte sie sofort jegliche Aktivitäten ein und
verkroch sich sofort wieder....Zu mir schloss sie sofort Vertrauen und zeigte auch keinerlei Ängste gegenüber meiner Person, wenn Frauen sich ihr näherten, geriet sie erst in Panik, traute sich aber mehr und mehr, mit Männern / Jungen war überhaupt keine Annäherung möglich.
Mein Ex brauchte nur ein wenig seine Stimme zu heben und schon machte sie sich klein wie eine Maus....

Die Wohnung nahm Dana schnell als sichere Zufluchtstelle an....aber schon der Gang nach draußen (Treppenhaus) war äußerst problematisch....Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Stunden ich mit ihr im Treppenhaus verbracht habe, um ihr die Angst zu nehmen....irgendwann hatten wir es dann geschafft, aber, wenn die kleinste Veränderung war (neu abgestellte Schuhe, Regenschirm usw..) mussten wir jedes Mal wieder ganz von vorne beginnen.

Draußen dann verfiel die arme Maus von einer Panik in die nächste....sie pinkelte nur im Liegen und machte sich ganz klein....ihr "großes Geschäft" brachte mich stets immer an den Rand des Nervenzusammenbruchs....sie hatte bereits Magenkrummeln, Blähungen und Durchfall, aber, wenn sie irgendetwas unheimliches sah oder hörte, verkniff sie sich alles und man musste halt alles menschenmögliche tun, ihre Spannung abzubauen und einen geeigneten Platz zu finden, damit sie sich endlich lösen konnte...

Tja, so vergingen fast 2 Jahre, zwischendurch wunderte ich mich immer, warum gewisse Verhaltensweisen, die sich eigentlich schon gebessert hatten, doch wieder kehrten.....

Ich muss noch vorweg nehmen, das wir uns immer getrennt um Dana gekümmert haben, alleine schon arbeitstechnisch war dies nicht anderes möglich....

...
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Liebe Grüße von Vera
mit
dem kleinen, gehbehinderten JRT-Rüden Spiki (PL operiert) und
Dana, meiner blinden
Hündin ( † 12.11.09 um 18.45 Uhr ) • Dana, I miss you so much •

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Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“ (Aldous Huxley)

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Alt 08.04.2007, 22:46   #2
Vera
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Standard Re: Dana

...

Schließlich hatten mein Ex und ich einen Rollerunfall, er hat natürlich nix abgekommen, bei mir ist seitdem das rechte Knie kaputt, hieraus resultierte, dass ich für 1 Woche ins Krankenhaus mußte....

Als ich endlich nach Hause kam, sind mir die Augen aufgegangen... [img][/img]...nie werde ich diesen Blick meiner Dana vergessen, sie war völlig verstört, hatte tierisch abgenommen und war völlig eingeschüchtert.....als ich dann auch noch das Stachelhalsband sah, bin ich komplett ausgerastet....was hatte er ihr nur angetan...warum habe ich nichts bemerkt..warum habe ich das zugelassen.....

Das Problem war, ich konnte mich nicht sofort von ihm trennen, 1. konnte ich keinen Schritt laufen (Knieverletzung) und 2. spielten auch diverse Geldgeschichten eine nicht unerhebliche Rolle....also wachte ich mit Argusaugen über, von nun an, "meinen" Hund.....ich versuchte sie so schnell es eben ging an meine Krücken zu gewöhnen, damit ich wieder selbst mit ihr rausgehen konnte. Nach 3 Tagen war dies möglich...mein Gott, wenn ich daran denke, welch
eine Tortour........

So vergingen einige Wochen....dann kam die Idee, das vielleicht ein 2. Hund Dana unterstützen könnte....so kam der kleine Spike zu uns...und tatsächlich, Spiki tat Dana sehr gut, der kleine war unerschrocken und hatte sein Herz am rechten Fleck. Die beiden liebten sich auf Anhieb. Dana wurde sehr viel sicherer und mutiger und wenn es hart auf hart kam, verteidigte sie den Kleenen [img][/img] ....und tja, meinem Ex hat er einige Male richtig die Zähne gezeigt und ihn auch gebissen.... [img][/img]

Endlich zog ich den Schlußstrich...ich war mit meinen Hunden alleine und es sollte von nun an immer steiler bergauf gehen....Dana entwickelte sich zu einem zwar etwas ängstlichen Hund, aber nicht mehr von tausend Ängsten gepeinigten Hund...

Tja, ich weiß gar nicht, wie ich es in Worte fassen kann, ich habe viele Dinge aus dem Bauch heraus gemacht und natürlich auch einige Bücher "studiert", diese Wissen in einen Sack gesteckt, einmal gut durchgeschüttelt und mir das passende herausgenommen....nee im Ernst, also ich würde mal sagen, das Wichtigste ist,

Geduld, Geduld und noch einmal Geduld, viel, viel Liebe und gaaanz viel positive Bestärkung...

So lebten wir eine ganze Weile in unserem kleinen Rudel zufrieden und glücklich und die meiste Zeit angstfrei....

bis zum März 2006....leider ist meine Maus im Alter von 6,5 Jahre erblindert...


Die ganzen Ängste waren plötzlich wieder da und es kamen noch neue dazu.... [img][/img] ...die ersten 2-3 Wochen war ich wie versteinert, ich wußte nicht , wo ich ansetzen sollte....erst als es mir besser ging, konnte ich wieder meiner Dana helfen...und wir haben nach und nach die Angst wegdrängen können....Leider ist diese angstfreie Zeit kein Dauerzustand mehr....wir haben oft mit ihren zurückkehrenden Ängsten (ausgelöst z. B. durch veränderte Lichtverhältnisse) zu kämpfen, aber ich gebe einfach nicht auf und versuche meiner Maus, Geduld, Liebe, Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben.....ach, könnte ich doch nur das Licht für meine Maus wieder anknipsen....
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Liebe Grüße von Vera
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Alt 08.04.2007, 23:27   #3
Tania
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Standard Re: Dana

Ich will gar nicht viel sagen, außer das ich es total toll von Dir finde, das Du von diesem Etwas mit deinem Rudel weg bist!!!!!

Ich finde es klasse, wie du das alles gemeistert hast, denn Bär ist zwar kein so Panikerfüllter Hund wie Dana, aber er ist schon etwas feige und ich kann mir in etwa vorstellen wie es ist, wenn man seinem Panikhund nicht helfen kann.

Schön das du für Deine Dana da bist, auch wenn du für sie nicht das Licht anknipsen kannst, bist du ganzbestimmt das Licht für sie!!!

Gruß
Tania
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Lieben Gruß
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Alt 09.04.2007, 08:09   #4
dalmiblue
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Standard Re: Dana

Wow, was für eine Geschichte !!

Hut ab, das du das alles so durch gezogen hast.

Für mich ist es sehr beruhigen zu wissen und zu lesen, das es noch andere Hunde mit diesen Problemen gibt, und das Ihr es mit Ihnen geschafft habt ein einigermaßen Angstfreies Leben zu führen.

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Alt 09.04.2007, 22:11   #5
Petra-Kid
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Standard Re: Dana

Liebe Vera,

wie erschütternd, das zu lesen [img][/img] - wie gut, dass du den Mut gefunden hast, dich von deinem Ex zu trennen, unfassbar, wie er sich verhalten hat.

Und Hut ab, wie du versuchst, deiner Hündin ein wenig Normalität zu bieten, auch durch euren kleinen neuen Freund, der ihr ja wohl sehr gut tut [img][/img]

Dass ausgerechnet diese arme Maus nun auch noch erblinden muss und ihre alten bzw. natürlich auch neue Ängste wieder auftauchen, das ist wirklich schlimm. Was für ein Schicksal [img][/img]

Bekannte von uns haben z.B. vor einigen Jahren zu ihrem Mix einen jungen Dackel bei sich aufgenommen, der in ihrem Garten Zuflucht gesucht hatte. Er war scheinbar ausgesetzt worden, denn er war zwar tätowiert, aber mit einer ausländischen Nr., mit der man nix anfangen konnte...
Vor kurzem hörte ich, dass dieser süße Dackel auf auf einmal, sozusagen aus heiterem Himmel, erblindet ist... Er war zuerst auch total ängstlich, stieß überall an usw., doch inzwischen haben sich alle damit abgefunden, und langsam geht es ihm und seiner neuen Familie wieder besser.

Ihr werdet diese erneute Prüfung auch noch schaffen, da bin ich mir sicher *knuddel*

Ganz liebe Grüße
von Petra und Kid dem Wäller!
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Alt 11.04.2007, 23:38   #6
Vera
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Standard Re: Dana

Huhu Mädels,

danke für die lieben Worte.... [img][/img]

LG
Vera
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Alt 12.04.2007, 03:14   #7
Usch
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Standard Re: Dana

Liebe Vera,

das ist jetzt so mein 4. Anlauf, dir etwas zu deiner Geschichte zu schreiben und noch immer fehlen mir ziemlich die Worte.

Es ist einfach bewundernswert, wie du diese Schicksalsschläge und so unglaublich schwierigen Situationen gemeistert hast und sie immer wieder meisterst. Ich drück dich mal ganz fest!
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Liebe Grüße

Usch
mit Elli im Arm und Romeo und Lunes im Herzen

Es häufen sich die Begebenheiten, deretwegen ich mir wünschte, Noah und seine Sippe hätten damals das Schiff verpasst (Mark Twain)
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Alt 12.04.2007, 19:25   #8
Pongo
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Standard Re: Dana

Huhu Vera,

ich bekam beim Lesen Deiner Geschichte immer mehr Gänsehaut. Was habt ihr für eine schwere Zeit durchgemacht und Du hast meinen ganzen Respekt, denn wie Du das alles gemeistert hast, ist wirklich bewundernswert.

Es ist einfach nur toll wie Du um Deine kleine Maus gekämpft hast und immer noch kämpfst, um ihr ein unbeschwertes Leben ohne diese panischen Ängste zu ermöglichen.

Fühl Dich auch von mir fest gedrückt. [img][/img]
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Liebe Grüße Britta, Blindfisch Pongo, Bluna und Bono

Wer Tiere quält, ist unbeseelt
und Gottes guter Geist ihm fehlt.
Mag noch so vornehm drein er schaun,
man sollte niemals ihm vertraun. - -Johann Wolfgang von Goethe- -
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Alt 12.04.2007, 21:54   #9
Vera
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Standard Re: Dana

....Ihr seit lieb, danke..... [img][/img]
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Alt 25.11.2008, 15:22   #10
moorkroete
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Beiträge: n/a
Standard

Ich hab eine Gänsehaut!
Eure Geschichte ähnelt unserer in sovielen Punkten! Unglaublich!
Und ich ziehe den Hut! Ich weiss, wieviel Kraft das alles kostet... In meinem Kopf dreht sich gerade ein Karussell: Einer sehenden Angstmaus die Angst zu nehmen, war schwer genug... aber einer (in meinem Fall halb-) blinden? Ich muss sagen, es ist nicht leicht.... deshalb: Hut ab!
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