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Alt 26.10.2007, 09:35   #1
Nathy
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Standard Miss Elli

So...dann werde ich Euch gleich mal mit einem eigenen "Elli-Thema" bombadieren. [img][/img]

Bekannt ist von ihr nur, daß sie von einem Vermehrer kommt, schon Welpen hatte und geschätze anderthalb - zwei Jahre alt ist.
Sie ist unglaublich lieb und nett...aber eben sehr ängstlich. Na ja...zumindest teilweise.
Seit dem 16.10. ist sie hier bei mir.
Teilweise finde ich ihre bisherigen Erfolge schon sehr erstaunlich.....rein vom Verhalten her, meine ich.
Ängstlich kann man das eigentlich gar nicht nennen...eher völlig panisch.
Fremde Hunde sind völlig katatstrophal.....da rastet sie aus und rennt rückwärts weg.
Bei kleinen oder auch großen Geräuschen im Haus rennt sie wild kreischend incl. urinieren und koten durchs Haus...so ein Anfall dauert ungefähr zwei/drei Minuten.
Der letzte "Anfall" war allerdings am Mittwochabend....im Moment warte ich regelrecht auf den Nächsten.

Sehr überraschend finde ich ihre Anhänglichkeit, weil das völlig widersprüchlich mit ihrem anfänglichen Verhalten ist.
Sie klebt mir am Bein und das am liebsten 24h.
Fahre ich weg, rastet sie völlig aus und rennt stumpf gegen Türen, wobei es nicht die ganze Zeit die Gleiche sein "muß". Sie nimmt alles, was geht und dabei wird natürlich "geschrien".
Es fängt ca. nach zehn Minuten an.....vorher rennt sie wild schnaufend durchs Haus....findet mich natürlich nicht und schon gehts los.
...hat mir mein Mann so erzählt...ich bin ja schließlich gar nicht da.
Gestern habe ich sie mitgenommen, weil ich ja auch mal weg muß.....Autofahrt war für sie sehr streßig, sie hat sich übergeben und natürlich die ganze Zeit gezittert. Immer noch besser, als sich selbst den Schädel einzuschlagen.
Als wir wieder daheim waren, war alles super und sie hatte mördermäßig Spaß. [img][/img]

Einerseits ist sie allso völlig panisch...andererseits kann sie aber auch sehr zickig, fast schon frech, sein.
Thema "Bett" beispielsweise. Bei uns dürfen Hunde nicht mit ins Bett...sie will aber und da ist sie sehr stur und zeigt nicht die Spur von Angst.

Vermutungen, was sie durchgemacht haben könnte, wären hilfreich, aber auch Tips und Ratschläge....alles, was euch einfällt.

Schwierigkeiten habe ich mit ihr nicht....vieles "regelt" natürlich "Frau Zeit und Frau Geduld".....schon klar [img][/img] ...aber so ein Erfahrungsaustausch wäre schon ein echter Knaller.....vor allem für mich. [img][/img]

LG
Nathy
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Alt 26.10.2007, 10:57   #2
Jürgen
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Beiträge: n/a
Standard Re: Miss Elli

Hallo Nathy,

wir haben eine Hündin die auf einem Dachboden geboren wurde und dort ihre ersten Lebensjahre mit über zwanzig anderen Hunde verbracht hat. Nach ihrer Befreiung hat sie zum ersten mal den Himmel, Gras usw. gesehen. Sie kannte nichts, sie konnte nichts und hat eine extrem niedrige Streßtolleranz.
Deine Beschreibung von Elli läßt mich vermuten das sie beim Hundevermehrer auch völlig isoliert gelebt hat auch keine Erfahrungen machen konnte.

Autofahren ging überhaupt nicht, sie hat sich so aufgeregt das sie sich innerhalb kurzer Zeit übergeben hat. Ihr Rekord lag bei 5 mal auf 10km.
Wir haben das Autofahren mit ihr dann erstmal eingestellt und ich habe mich dann mit den Hunden täglich ins Auto gesetzt und es gab Schweineohren. Nach ca. 2 Monaten haben wir mal das Auto gestartet sind aber nicht gefahren. Dann mal 5m und das ganze ganz langsam gesteigert. Inzwischen ist Perry die erste die im Auto ist wenn wir die Heckklappe aufmachen.
Eine Menschen Psychologin hat mir mal erklärt das Kinder die extrem reizarm aufwachsen ähnlich reagieren denn das Gehirn kann mit den vielen visuellen Eindrücken nicht umgehen die beim Autfahren entstehen. Und sie glaubte bei Perry wäre es ähnlich.
Sie empfahl dazu Sonnenschutz an den Fenstern anzubringen damit Perry nicht rausschauen kann.

Habt Ihr Zuhause eine Box oder etwas anderen höhlenähnliches? Ängstliche Hunde schätzen oft Höhlen in die sie sich zurückziehen können.

Das allein lassen müßt Ihr üben. Zuerst ganz kurz und dann immer länger. Aber keine Verabschiedung oder ähnliches, sondern einfach gehen.
Das war zum Glück bei uns kein Problem denn Perry hat sich an Felix orientiert uns solange der da war war alles ok. Dafür hatte sie an Menschen kein Interesse, die waren ihr völlig egal.
Aber Ihr habt da eine gute Voraussetzung, Elli orientiert sich an Dir. Jetzt mußt Du ganz locker sein und Elli zeigen das alles ok ist. Wenn mal ein erschreckendes Geräusch ist nicht auf Elli eingehen. Sie muß sehen das es Dich nichtmal interessiert was das für ein Geräusch war.
Felix hatte Angst vor LKWs und Bussen. Wir haben dann immer demonstrativ in die andere Richtung gesehen.

Zur Angst vor anderen Hunden ist schwer was zu sagen ohne Elli zu kennen.
Angst vor anderen Hunden hatte Perry auch. Sie kannte ja keine Hundebegnungen. Jeder auch noch so kleine Hund versetzte sie in Angst (auch wenn er auf der anderen Straßenseite war) und sie wollte umdrehen und flüchten. Gelernt hat sie durch gemeinsame Spaziergänge wo der andere Hund auch an der Leine war und Abstand gehalten wurde.
Leider schlug die Angst und Fluchtverhalten dann in Angstaggression um. Jetzt nach vier Jahren haben wir sie soweit das sie fremde Hunde auf der anderen Straßenseite toleriert solange sie keine größeren Rüden sind die Aggression zeigen.

Ich befürchte Ihr habt noch einen langen Weg vor Euch, aber es lohnt sich.

Liebe Grüße
Jürgen
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Alt 27.10.2007, 09:53   #3
Nathy
Gast
 

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Standard Re: Miss Elli

Danke Jürgen, daß Du Dir so eine Mühe gemacht hast!

Eine Box habe ich hier, aber sie findet die total blöde. [img][/img] Weiber eben! [img][/img]
Ich benutze beim spazieren gehen meinen Maxi, als "Therapeuten"....er ist "Mister Relaxed" und stört sich gar nicht daran, wenn sie ein bissel kreischend ausrastet. Ist total interessant, weil sie Maxi zwischendurch völlig verblüfft anguckt und ihn genauestens beobachtet....man kann regelrecht sehen, wie es in ihrem Hirn arbeitet.
Sie lernt eigentlich sehr schnell und ist bemüht alles richtig zu machen...was ich ebenfalls sehr erstaunlich finde.
...und zwischendurch übermannt sie eben ihre Angst.
Treffe ich draußen jemand mit Hund, bin ich mittlerweile dazu übergangen sie "toben" zu lassen und mich ansonsten völlig gelassen mit der Person zu unterhalten. Das dauert so fünf bis sieben Minuten, dann hört sie auf zu toben und zittert "nur" noch. Nach weiteren fünf Minuten fängt sie tatsächlich an sich zu "entspannen"...zumindest für ihre Verhältnisse ist sie entspannt.

Im Prinzip habe ich gedacht, daß sie mit Hunden besser zurecht kommt,als mit Menschen, schließlich hat sie mit welchen zusammen gelebt....aber offensichtlich war sie einer der Prügelknaben der Gruppe......anders kann ich mir ihre panische Angst vor Artgenossen nicht erklären.
Bei ruhigen Hunden ebbt ihre Panik schneller ab....bei "wilden" und sehr forschen Hunden (wie mein Theo) wirft sie sich, wenn er sich nähert (natürlich ohne was zu machen), sofort schrill kreischend auf den Rücken und hört erst auf, wenn er wieder geht oder sich auf meinen "Befehl" hinlegt.
Allerdings nur draußen.
Im Haus ist es fast völlig in Ordnung. Theo ist ihr zwar auch im Haus unheimlich, aber sie reißt sich mittlerweile zusammen und meidet ihn nach Möglichkeit. Geht das nicht, benimmt sie sich, wie eine Statue....frei nach dem Motto "Er sieht mich nicht! Er sieht mich nicht!"
Theo ist aber auch sehr "speziell"....er ist noch total pubertär und "schlunzig"...hat dabei aber eine Präsenz und strahlt ein Selbstbewußtsein aus, was geradezu unglaublich ist.

Ich übe das draußen einmal pro Tag mit ihr....ich denke das reicht erstmal und danach ist sie meist auch völlig platt.....sowas ist ja schließlich saumäßig anstrengend für sie.

Insgesamt bin ich aber mit den kleinen Erfolgen der letzten Tage schon sehr zufrieden.
Richtig anstrengend finde ich sie gar nicht. [img][/img]
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Alt 27.10.2007, 13:58   #4
LianeR
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Beiträge: n/a
Standard Re: Miss Elli

Hallo Nathy,

na das kenne ich doch irgenwie !

Kannst du vielleicht mal schreiben, welche Rasse deine Elli ist ?
Man kann nämlich viel erreichen, wenn man bei Angst- und Panikhunden auf die rassespezifischen Eigenheiten und Vorlieben ein geht.

Andere Hunde
Es kann dir gar nix besseres passieren, als einen souveränen Ersthund zu haben. Queen hat sich unglaublich viel von Sunny abgeschaut. Gib Elli die Chance am Anfang Distanzen zu wahren und lass Maxi ihr helfen. Der kann das bestimmt besser als ein Mensch.

Auto fahren
Jürgen hat ja schon das mit den Schweineohren geschrieben. Genau so würde ich es auch machen. Du kannst sie auch mal im Auto füttern. Ansonsten würde ich hier auch viel mit Inflationierung arbeiten. Rein ins Auto, ohne fahren wieder raus, dann mal nur kurze Strecken, vielleicht sogar nur die Straße rauf und runter. Das gibt sich in der Regel dann recht schnell

Alleine sein
Wenn sie so große Verlassensängste hat, versuche ihr durch deinen Geruch deine Nähe zu vermitteln. Du hast sicher einen alten Schlafanzug, den du nicht mehr so "wirklich" brauchst. Ziehe den 2 - 3 Nächte an und lege ihn dann in Elli's Korb oder auf ihren Schlafplatz. Das macht man z.B. auch, wenn man einen Welpen ins neue zu Hause holt.
Ich persönlich würde sie jetzt nicht überall mit hin nehmen. Sie wird es später dann noch weniger verstehen, wenn sie mal alleine bleiben muss. Steigere die Zeit, die sie alleine ist, einfach minutenweise, mit Hilfe von "Mama's Geruch".

Wie du schon schreibst, es braucht viel Zeit und Geduld so einen Hund einzugliedern. Es werden auch mit Sicherheit bestimmte Ängste übrig bleiben, die du zwar reduzieren kannst, aber nicht wirklich "heilen".
Meine Kleine zeigt z.B. bei einem bestimmten Männertyp noch immer große Angst und bei unkastrierten Rüden tickt sie teilweise auch aus, vor allem wenn die größer sind als sie. Queen stammt auch aus einer "Massenzuchtanstalt", in der die Welpen keine Prägung auf Menschen und Umwelt hatten.
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Alt 27.10.2007, 20:27   #5
Jürgen
Gast
 

Beiträge: n/a
Standard Re: Miss Elli

Hallo Nathy,

ich denke Ellis die Angst vor anderen Hunden ist das Ergebnis einer oder mehreren gewaltsamen Deckakte. Hundevermehrer gehen da ziemlich brutal vor.
Dazu ist das für eine Hündin bei einem Massenvermehrer der einzige Kontakt zu fremden Hunden.
Hab Geduld mit Elli. Wenn Du Hundebesitzer kennst deren Hunde ruhig und nicht aufdringlich sind verabrede Dich mit ihnen.

Gruß
Jürgen
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