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Alt 17.09.2004, 15:41   #1
Marty
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Standard Ein paar Gedanken zum Thema "Tauber Hund" ...

Taub – geht das?

Diese Frage hören wir oft, wenn Leute erfahren, dass unsere Lissy taub ist.

Die Antwort lautet: Ja, es geht, und zwar gut.

Was bei tauben Hunden nicht über die Ohren laufen kann, geht halt verstärkt über die Augen und Nase.

Ein paar Dinge gibt es natürlich schon zu beachten. Am leichtesten fällt es, wenn man versucht, sich in diese Lage zu versetzen.

Was würden wir uns wünschen?

Zuerst mal, dass man uns wie normale Menschen behandelt, die einzige Behinderung ist ja schließlich nur das Gehör, ansonsten sind wir ja ganz normal. Wir würden uns wünschen, dass man uns anschaut, wenn man mit uns kommunizieren möchte. Auch bedarf es keiner großen, hektischen Gesten, wir sind ja nicht schwer von Begriff, wir beachten und verstehen auch kleine, ruhige Gesten.

Desweiteren würden wir es nicht zu schätzen wissen, wenn man uns plötzlich von hinten erschreckt. Fast jeder von uns hat es schon erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man tief in Gedanken versunken von hinten plötzlich angefasst oder angesprochen wird. Dieser Schreck kann verschiedene Reaktionen auslösen. Nicht wenige von uns springen einen Meter in die Luft, andere werden richtig sauer und reagieren aggressiv. Sind wir deswegen dann böse Menschen?

Wenn wir ein Nickerchen machen, würden wir uns wünschen, informiert zu werden, wenn der Letzte den Raum verlässt. Woher sollten wir sonst wissen, wo alle sind und ob wir etwas Wichtiges oder Schönes verpassen. Es wäre sehr unangenehm, plötzlich festzustellen, dass man ohne Plan alleine ist.

Und noch eine ganz wichtige Sache hätten wir auch gerne. Wir möchten sehen, was um uns herum los ist. Wir möchten zu verschiedenen Fenstern herausschauen können, um uns zu informieren, wer kommt oder geht.

Diese Dinge wünscht sich auch der taube Hund.

Er mag keine hektischen Bewegungen, das ist für ihn wie Schreien. Er möchte, dass man ihm die Zeit gibt, seinen Gegenüber mit Augen und Nase erkunden. Es kann schon mal passieren, dass er bekannte Personen, die anders parfümiert als üblich in der Dunkelheit auftauchen, nicht auf Anhieb erkennt und verbellt. Die vertraute Stimme kann er ja nicht hören.

Ein tauber Hund beobachtet sehr viel. Auch wenn er nicht hören kann, was man sagt, so kann er doch anhand der Mimik erkennen, in welcher Stimmung der Mensch ist. Sprechen in Verbindung mit Sichtzeichen ist der beste Weg, um mit ihm in ein Zwiegespräch zu treten.

Auch ein tauber Hund möchte in Ruhe schlafen können. Gibt man ihm die Sicherheit, dass man ihn nicht heimlich verlässt, wird er das nötige Vertrauen aufbauen und sich entspannen. Was uns nun zum nächsten Punkt bringt. Auf ganz sanfte Weise, sei es durch eine zarte Berührung oder durch leichtes Anpusten, sollte man ihn auf die eigene Anwesenheit aufmerksam machen. Verbunden mit einem freundlichen Gesicht ist es für ihn eine positive Erfahrung und kein Schreck, auf den ein Hund, egal ob taub oder hörend, schon mal mit Zuschnappen reagieren kann.

Von Natur aus sind die meisten Hunde neugierig, und verschmähen nicht einen schönen Fensterplatz, z. B. zur Straße hin. Für einen tauben Hund ist diese Möglichkeit noch viel wichtiger. Baut man die Fenster mit Pflanzen zu, braucht man sich nicht zu wundern, wenn diese im hohen Bogen von der Fensterbank sausen.

Die Frage, ob ein tauber Hund bellen kann, ist legitim. Viele taube Hunde sind sogar sehr bellfreudig, sie hören ja schließlich nicht den Lärm, den sie verursachen. Durch konsequente Erziehung kann man ihm dies aber auch wieder abgewöhnen. Es ist nur ein wenig mühsamer als bei einem hörenden Hund, da Rufen ja auf taube Ohren trifft. Also muss man sich halt zu ihm hin bemühen und Blickkontakt herstellen.

Wir haben es nie bereut, unsere kleine Lissy zu uns geholt zu haben. Ihre Taubheit schränkt sie in keinster Weise ein. Es gibt Tage, da vergessen wir sogar, dass sie taub ist, so normal läuft alles. Und die Sichtzeichen verstehen auch unsere anderen Hunde. Das hat den Vorteil, dass wir nicht erst damit anfangen müssen, wenn sie vielleicht eines Tages altersbedingt taub werden!

Einige Zeit besuchten wir auch eine Hundeschule mit unseren drei Hunden.

Dort wurde überwiegend mit Sichtzeichen und viel Leckerchen als Belohnung gearbeitet.

Wir durften feststellen, dass unsere taube Lissy einen Riesenspaß dabei hatte und ihren hörenden "Mitschülern" in nichts nachstand.

Wir hoffen, dem Begriff "tauber Hund" ein wenig den Schrecken genommen zu haben und würden uns sehr freuen, wenn ein weiteres "taubes Nüsschen" eine Chance erhält, sich auf ein eigenes Zuhause zu freuen.
__________________
Liebe Grüße

Martina

mit den Sternenfellkindern Flöckchen, Lissy und Pucki

Tempora mutantur nos et mutantur in illis - Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen (lateinisches Sprichwort)
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