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Alt 08.07.2013, 20:34   #1
HeidiundBambi
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Standard Points - oder: was wir schon geschafft haben

Liebe Foris,
danke für das rege Interesse an Points, was ich den vielen Klicks auf seiner Suche nach einem Zuhause entnehme. Points/Pepino ist jetzt etwas über einen Monat bei uns.

Von unseren bisherigen Pflegehunden etwas verwöhnt, die, wie wir dachten, im Zusammenleben recht kooperativ waren, hat Points uns in den ersten Wochen vor eine scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt und besonders mich, in Sachen Kreativität und Findung von Alternativen, unentwegt examiniert. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er den ganzen Tag über Dauerbespaßung bekommen und wenn er was kannte, dann war es schnell uninteressant und er verlangte nach was Neuem. Am Tag wollte er ums Verrecken nicht schlafe und wenn er doch einnickte, zeigte ihm eine Art innerer "Bewegungsmelder" sofort, wenn der Mensch etwas vor hat und sei es nur, sich eine Tasse Tee zu holen. Und dann ging's hinterher und war der Weg auch noch so kurz. Dranbleiben!, war seine Devise, denn er hätte ja was verpassen können.
Er hat hemmungslos gebellt, wenn er seinen Willen nicht bekam und das in einer Tonlage, dass wir auch ums eigene Gehör fürchteten - seins war ja schon hin.
So hat er uns, durchaus Pflegestellen-Profis, erst mal in Vermeidehaltung gedrängt, nicht nur, was die mehr befahrenen Straßen anbelangte, die älteren Hündinnen ständig bedrängt, damit sie gefälligst auch was zu seiner Unterhaltung beitragen und die Katzen entsprechend "aufgemuntert".
Jetzt machten wir uns mehr um unsere mindestens 17 Jahre alte Katze Sorgen, als um Points. Panik kam auf, wenn er sich, nachdem der anfängliche Respekt vor den anderen Vierbeinern sich auf Normalmaß eingependelt hatte, auf die Katzen stürzen wollte. Wir waren quasi immer auf dem Sprung, denn der Tauberich drehte uns bei solchen Aktionen selbstverständlich den Rücken zu.
Je mehr wir ihm, da es den anderen Pflegehunden ja auch gut getan hatte, an Aufmerksamkeit und Unternehmung zugestanden haben, um so fordernder wurde er und auch um so dominanter. Er spielte sich zum Beschützer und Bescheidsager auf, wollte bestimmen, wer am Haus vorbeigeht oder -fährt. Augenkontakt vermied er, denn das muss ja so ein Alphatier nicht - sollen doch die anderen gucken, wo sie bleiben. Aber unser kleiner Hansdampf war maßlos überfordert mit diesem Pflichtbewusstsein.

Wenn man davon ausgeht, dass vieles am Verhalten eines Hundes sein ureigenstes, ihm angeborenes Verhalten ist, so er scheint es einem doch ungerecht, dass der Mensch es ihm aberziehen möchte, damit es der Mensch, und nicht der Hund, besonders einfach mit dem Vierbeiner hat.

Bellt ein Hund Fremde, Autos, Fahrräder, Jogger, andere Hunde an der Leine etc. an, so möchte er uns, sein Rudel, doch eigentlich nur vor der potenziellen Gefahr warnen, die da gerade naht. Legt er sich in die Leine, so zeigt er uns die Richtung an, in der es, nach seiner Meinung, etwas Spannendes, vielleicht sogar Beute gibt und klaut er was vom Tisch, so beweist er damit doch nur, was für ein effizienter Jäger er ist. Und natürlich möchte so ein Tier auch nicht alleine sein, denn das Rudel jagt in der Regel gemeinsam, wenn man dem Welpenalter entwachsen ist ...

Mit all diesem angeborenen Verhaltensmustern, die in der Natur vor allem der Arterhaltung dienen, kommen aber die allerwenigsten Menschen klar und wir ahnen bereits, dass so ein arttypischer Vertreter der Rasse Beutegreifer, wenn man ihn in der Pflegestelle nicht "erzieht", mit diesen, ihn für die Wildnis auszeichnenden Fähigkeiten, kein Zuhause finden oder aber unter Garantie zurückgebracht werden wird.
Es sei denn, man schafft sich einen Hund für die Nacht an und gibt ihn am Tag in einem Hundekindergarten ab, einen antiautoritären versteht sich - denn abends, so gegen halb 9 Uhr schlägt die Innere Uhr im Hund, er ist satt, zufrieden und der reinste Engel, der auch schon mal bis morgens um 9 Uhr durchschläft. Wacht er auf, hat er es nicht eilig, sondern kommt erst mal ein paar Minuten kuscheln und der Mensch denkt, das könnte nun ewig so weiter gehen.

Aber irgendwann beginnt auch beim noch so verschmustesten Hund der "Arbeitstag", Gassigehen, die Richtung anzeigen und ein paar potenzielle Feinde verbellen - die Nachbarn stehen wahrscheinlich schon hinter der Gardine, führen evtl. Strichliste, wann wie oft gebellt wurde, also dann doch lieber erst mal in den Garten für die Morgentoilette.
Problem erkannt! Problem gebannt!

Konsequentes Pfoten von der Tischkante schubsen (Points ist nämlich schon fünf cm gewachsen) hat dazu geführt, dass er sogar im Bereich Auf-den-Tisch-springen "resigniert" hat. Die Mühe lohnt nicht mehr, da diese Pflegemenschen aus seiner Sicht die reinsten Ordnungsfanatiker geworden sind. Was die Katzen nicht direkt fressen, wird nicht wie früher für später stehen gelassen, falls noch eine von den Miezen Hunger kriegt, sondern anderweitig verbracht.
Den Katzen das Gesicht ablecken gleicht zwar keinen vollen Napf aus, aber gibt eine Idee davon, was die Leckeres bekommen haben. Die Katzen beschweren sich lauthals, also ist der Mensch auch erst mal auf der Seite derer, die am lautesten schreien. Dabei fand Points, dass alles Futter, das im Haus verteilt wird, eigentlich ihm zustünde, ihm, dem Rudelvorstand, wozu kann er sonst so schnell fressen - die anderen können ja mit dem vorlieb nehmen, was übrig bleibt. Aber nichts darf man!!!
Der Mensch erklärt all die schönen Dinge zum Tabu, auf die man in der Natur ein angeborenes Recht hat.

Mehr noch, der findige Mensch verfügt nicht nur über die Resource Futter, er begegnet dem zu schnellen Runterschlingen und verknüpft es mit mit dem Problem der Feindfixierung, indem das Frühstück kurzerhand in den Futterbeutel gepackt wird. Das Ritual kann beginnen.
An der kürzesten Leine von der Küche zur Terrassentür und zurück und für das bei Fuß gehen. Welcher Wildhund oder Wolf geht denn bitteschön draußen in der Natur bei Fuß???, höre ich Points bereits denken. Dann geht es, nachdem diese Übung absolut entspannt absolviert ist, in den Flur, wo der Mensch als 1. (und nicht der Hund) aus der Tür geht. Auch dafür gibt es Futter. Nimmt der Hund, wie immer, auf der zweiten Stufe von oben Platz, dito.
Der Weg von der Stufe zum Gartentor wird dann schon zur Herausforderung Nummer 1. Denn eigentlich pocht das Herz unseres Jägers und starken, unerschrockenen Rüden schon schneller, er möchte davonziehen, in der Vorahnung all der potenziellen Gefahrenquellen, die er vertreiben könnte. Aber nein, er muss sich entscheiden, zwischen Futter und seinem ureigensten Instinkt des Schutzes von Haus und Hof, sprich des Rudels, dem er ja bis in alle Ewigkeit vorzustehen gedenkt.
Und nun versucht der Mensch dem armen Hund auch noch klarzumachen, dass ihm auf einmal nicht mehr der ganze Gehweg samt Grünstreifen zur Verfügung steht, den man ja für einen kräftigen Anlauf benötigt, um sich so richtig gegen alle potenziellen Gefahren in die Brust zu werfen. Und langsam soll man auch noch gehen, wo man doch am liebsten schnell von Punkt A nach Punkt B muss - Effizienz ist ja das wichtigste Stichwort im Hundeleben.

In jedem Hund steckt gewiss auch ein Philosoph und wenn Points reden könnte, würde er mir seine Sicht der Dinge ungefähr so schildern:
Die Menschen sind eigentlich nicht für's Überleben in der Wildnis gemacht, denn dafür sind die viel zu langsam. Aber egal, wie oft man es zeigt und einen Menschen hinter sich her zieht, schneller wird so ein Zweibeiner nicht. Und dann bleibt er auch noch stehen! Er will, dass man ihn anschaut! Naja, wer will schon, dass das gute Futter verkommt. Da riskiert man schon den einen oder anderen Blick. Nur, wie soll man in dem Tempo die Wildnis durchstreifen? Und was ist das denn? Nur bis zur nächsten Straßenecke??? Und zurück? Das kenne ich doch schon alles, nein, da will ich gar nicht hin, da trödle ich jetzt aber und du wirst schon sehen, was du davon hast, wenn einer ganz locker neben dir hergeht und nicht zeigt, dass er die Richtung auch kennt, dann verläufst du dich nämlich, du dummer Mensch!
Und wenn man dann doch wieder in die Höhle kommt, da passiert nicht mehr viel - gäääähn, da wird Hund so müde von. Soll sie doch rausgehen, so lange sie mir einen Kauknochen dalässt. Da kann man seinen ganzen Frust mal so richtig wegnagen. Und danach ist sie auch wieder zurück. Woher die weiß, wie lange ich für einen Knochen brauche?

Tja, liebe Foris, was wir bisher erreicht haben ist vielleicht für manche nicht so viel, doch für uns zählen auch die kleinen Schritte.

Als erstes haben wir versucht, Ruhe in die Situation zu bringen und so wenig wie möglich Ablenkungen zu bieten. Komischerweise wirkt Points jetzt viel zufriedener und ausgeglichener als bei allen Hundeausflügen und Hundespaziergängen. Augenscheinlich haben wir dem kleinen Rüden die Kontrolle abgenommen und er schläft jetzt tagsüber schon recht viel - wahrscheinlich, um seine Kräfte für künftige Abenteuer zu sammeln
Er macht auch nichts mehr kaputt. Wenn er mal alleine bleiben muss, bekommt er einen Kauknochen, mit dem er sich ausgiebig beschäftigt. Aber auch ohne bleibt er schon für kurze Zeit ruhig allein in Gesellschaft unserer Hunde, z.B., wenn ich in den Garten gehe. Manchmal "fragt" er nach, ein andermal legt er sich einfach hin und döst wieder.

Lieben Gruß
Uta
HeidiundBambi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.07.2013, 18:19   #2
HeidiundBambi
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Welche Überraschung! Nun hat er sich doch als ein Border Collie-English Setter-Mix entpuppt.
HeidiundBambi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.07.2013, 14:41   #3
HeidiundBambi
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Liebe Foris,
unser Points hat ein Zuhause gefunden und zieht heute in ein kleines Rudel mit einer in Sachen Tierschutzhunde sehr erfahrenen älteren Frau.
Dort gibt es auch einen viel kleineren Border-Mix-Rüden. Bei Hunden kommt's ja auf die Größe nicht an. Denn der hat das absolute Sagen im Hunderudel, wogegen unser kleiner Troll mit seinem Machogehabe nicht ankommen wird. Mehrere Tage die Woche zu Besuch (wegen Berufstätigkeit von Sohn oder Tochter der Frau) ist eine süße, winzige Border-Mix-Hündin, in die sich unser inzwischen kastrierter Heißsporn total verliebt hat. Und sie spielen und toben in dem großen Garten wie die Wilden. Halten Pfötchen, wenn sie ausruhen ...
Ich hoffe, Ihr freut euch mit mir und Points.

Lieben Gruß
Uta
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Alt 23.07.2013, 22:06   #4
Kati
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Na aber hallo ... ... klar freuen wir uns mit !
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Alt 24.07.2013, 00:03   #5
Odin
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Alt 24.07.2013, 15:22   #6
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