Behinderte Hunde Forum

Zurück   Behinderte Hunde Forum > Gesundheit und Ernährung > Gesundheitsfragen > Innere Krankheiten

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 28.03.2017, 17:34   #1
Martecito
Neuer Benutzer
 

Registriert seit: 27.11.2015
Beiträge: 17
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard Fokale Epilepsie?

Hallo zusammen,

da die letzten Wochen ziemlich anstrengend waren und ich das Alles noch nicht so ganz einordnen kann, möchte ich mir zum einen einfach mal alles von der Seele schreiben, zum anderen hoffe ich auf euren Input, da ihr ja alle die ein oder anderen gehandicapten Begleiter an eurer Seite habt/hattet und somit vielleicht Erfahrungen beisteuern könnt.

Es geht natürlich um meinen Marte (sein Thread ist zu finden bei „geistig behinderte Hunde“), Podenco, geboren am 02.12.2011 im Tierheim Alicante. Es waren vier Welpen, einer davon gleich tot, die anderen sehr schwach. Marte hat wohl zeitweise nicht mehr geatmet und wurde wiederbelebt. Somit steht zumindest fest, dass mit der Sauerstoffversorgung etwas kurzzeitig im Argen lag.

Mit drei Monaten zeigte Marte sich das erste Mal auffällig – er biss sich selbst die Rute kaputt, die daraufhin bis auf einen ca. 10cm langen Stummel amputiert wurde. Im Zuge dieser OP wurde er soweit ich weiß auch gleich kastriert (viel zu früh also). Mit sechs Monaten biss er den ersten Menschen (keine Ahnung wie es dazu kam), ab da begann sein Leidensweg. 3,5 Jahre im hintersten Zwinger in einem übervollen und lauten Tierheim. Nur wenige Bezugspersonen, da sich keiner wirklich an ihn heran traute. Keine Umwelterfahrungen. Keine Erziehung. Keine richtige Sozialisation. Er bekam Fluoxetin und war damit angeblich einigermaßen händelbar – zumindest war er nicht mehr unvermittelt übersteigert aggressiv.

Vor zwei Jahren kam er dann zu mir – überdreht, unsicher, schnöselig und mit deutlichen Verhaltensproblemen. Das Medikament habe ich nach und nach unter Absprache mit meinem TA abgesetzt. Es blieb Marte. *lach*

Erregungssituationen (Fütterung, Gassigehen, fremde Menschen etc.) bringen ihn schnell und heftig aus der Fassung, d.h. er beginnt zu kreiseln (in der Regel sehr schnell) und sich dabei selbst in die Hinterhand zu beißen bzw. nach allem zu schnappen was „sich ihm in den Weg stellt“.

Seine Bewegungen sind oft unsicher und staksig, wobei sich das in den letzten beiden Jahren deutlich gebessert hat – an ein Ableinen draußen ist aber alleine deshalb schon nicht zu denken, da er Gefahren (wie z.B. Höhen) absolut nicht einschätzen kann und im Zweifel mit dem Kopf durch die Wand geht.

Mit anderen Hunden ist er eine explosive Mischung aus Jungschnösel (prollig, aufdringlich, pöbelig) und Alien (merkwürdige, unpassende Bewegungen, völlig unpassende Reaktionen). Meine drei weiteren Hunde haben sich gut an ihn gewöhnt und sind dank ihrer Charaktereigenschaften in der Lage sein Verhalten im richtigen Moment zu ignorieren bzw. mit den richtigen Mitteln zu korrigieren. Er spielt inzwischen sogar mit ihnen, duldet hin und wieder Kontaktliegen und sieht sich als Teil der Gruppe.

Menschen gegenüber ist er misstrauisch und wird lieber laut bzw. aufdringlich (im Zweifel mit Schnappen), wenn man ihn zu sehr bedrängt. Ich als Hauptbezugsperson kann ihn inzwischen auch ausgiebig streicheln, allerdings gibt es auch bei mir Tabuzonen – Beine, Hinterhand – die mir nur an sehr guten Tagen offen stehen. Er brummt inzwischen aber als Warnung und flippt erst aus, wenn man nach dem Brummen noch weiter an ihm herum macht oder zu nah an ihm dran ist. Das hat sich also auch deutlich gebessert.

Er ist aber alles in allem ein neugieriger, lebensfroher Hund, der einfach gerne Distanz wahrt und nicht immer so ganz die richtige „Verhaltensaussprache“ beherrscht. Sein Verhalten ist zwar oftmals unlogisch, aber wenn man ihn kennt immer absehbar. Und da er inzwischen gut an einen Maulkorb gewöhnt ist, kann er ganz normal an meinem Alltag teilnehmen (der Maulkorb dient dem Eigenschutz – er verbeißt sich weiterhin bei Aufregung in sich selbst bzw. neigt dazu z.B. Socken am Stück verschlucken zu wollen/ dem Umweltschutz – er geht im Zweifel auch gegen Gegenstände/andere Lebewesen). Zur Fütterung oder Beschäftigung im Garten/Haus kann der Maulkorb auf- und abgezogen werden. Alle anderen Situationen sind abgesichert.

Marte ist also alles in allem nicht ganz „normal“, aber eben auch nicht dauerhaft beeinträchtigt. Zumindest bis jetzt. Deshalb auch der lange Vortext, damit ihr so gut wie möglich verstehen könnt, was sich nun verändert hat.
Es fing vor ca. 2 Wochen an. Marte wurde insgesamt unruhiger und nervöser (sonst kommt er in der Regel auch nach Aufregung schnell zur Ruhe bzw. schläft viel) vor allem tagsüber. Er lief stundenlang von A nach B nach C und wieder zurück. Legte sich hin. Stand wieder auf. Legte sich wieder. Stand wieder auf. Zunächst fiel das nicht sonderlich auf, aber es wurde eben immer mehr. Dann kam hinzu, dass er immer mehr das Interesse an seiner Umwelt verlor – draußen wurde nicht mehr wirklich geschnüffelt, Erregungssituationen wurden quasi stoisch hingenommen (wenn man einen hysterischen Brummkreisel auf Speed gewöhnt ist, ist das echt gruselig!) und er zog sich immer mehr zurück. Irgendwann kamen dann sowas wie „Schreiattacken“ – für mich zunächst völlig ohne Zusammenhang zu einem Auslöser. Er quietschte/schrie einmal kurz, dann fing er entweder an sofort monotone Kreise/Achten zu laufen am liebsten um einen Menschen/Gegenstand herum (Trabgeschwindigkeit, aber nicht hektisch, komplett abwesend dabei – ohne Unterbrechung hätte er das durchgehend gemacht, zu Testzwecken hab ich ihn mal 30min machen lassen, Unterbrechung aber auch nur mit Zwang (Festhalten) möglich) oder er rannte panisch herum, quietschte/schrie noch mehrmals und saß dann irgendwann zitternd und hechelnd in einer Ecke (auch mit Ansprache etc. dauerte es 15-20min bis er sich einigermaßen beruhigte). Nähe wurde plötzlich immens wichtig. Er klebte quasi an dem Menschen, der ihm gerade am nächsten war (auch an mehr oder weniger fremden Menschen) bzw. natürlich bevorzugt an mir. Verfolgung bis auf die Toilette. Auf dem Schoßsitzen. Dauerhaftes Kontaktliegen. Berührbarkeit aller Körperteile. Kein Gebrumme mehr. Kein Knurren. Die anderen Hunde wurden vollkommen ignoriert – kein Blocken mehr, kein Meckern, aber auch kein Spielen. Dieses Verhalten stieg an von ca. 1-2 Mal täglich auf fast dauerhaft binnen 1 Woche.

Also ab zum Tierarzt. Das war letzten Freitag.

Nach den meinen Schilderungen war schnell klar, dass es eigentlich was Neurologisches sein muss, aber natürlich will man alles ausschließen. Also Hund in Vollnarkose (sonst sind keine Untersuchungen möglich) und auf links gedreht. Ballen kontrolliert, Krallen kontrolliert, Zähne kontrolliert, Ultraschall Abdomen und Herz, Röntgen Wirbelsäule Hals bis Rute / Thorax / Ellenbogen / Hüfte / Knie, großes Blutbild, alle Organwerte, mögliche Infektionskrankheiten/andere Krankheiten, die sich neurologisch manifestieren können (Toxoplasmose, Anaplasmose etc. pp) Alles ohne Befund.
Marte bekam noch ein Schmerzmittel mit Langzeitwirkung um zu sehen, ob das Schreien/Quietschen doch Schmerz ist. Aber er hatte schon kurz nach dem Aufwachen unter Einfluss der Narkose und des Schmerzmittels die nächste Schreiattacke mit anschließendem monotonen Kreislaufen. Da noch einige Blutergebnisse ausstanden und erst nach dem Wochenende zu erwarten waren bekam ich ein Antibiotikum mit, das gegen Toxoplasmien etc. wirkt und Pexion 400mg, ein Krampfmittel.

Schon nach zwei Tagen Medikamentengabe (heute ist Tag 4) konnte ich eine Verbesserung feststellen. Der gestresste Dauerzustand wich einem Schreien/Quietschen nach expliziter Aufregung (Fütterung etc.) weiterhin mit Kreislaufen, aber ohne die Zwischenstufe des panischen Umherrennes mit weiterem Quietschen/Schreien. Das Umweltinteresse kommt langsam zurück. Er schnüffelt draußen wieder, möchte aber trotzdem deutlich schneller wieder ins Haus als früher. Er ist weiterhin ungewöhnlich anhänglich bzw. „geduldig“, aber insgesamt nicht mehr nervös/ruhelos. Weiterhin bringt ihn fast nichts aus der Fassung (normalerweise verlor er selbige mindestens 5-6 Mal am Tag) und die anderen Hunde werden mit deutlich verminderter Vehemenz „kommentiert“/kontrolliert als „normal“. An der Leine laufen geht weiterhin nicht mehr wirklich, da er sofort anfängt im Kreis zu laufen und auch mit blocken und hoher Geschwindigkeit nicht davon abzuhalten ist (früher war er auch nicht super leinenführig, aber wir haben es immerhin geradeaus geschafft).

Der Plan ist jetzt das Pexion mindestens 2 Wochen zu geben um eben weiter beurteilen zu können, ob es wirklich wirkt. Das Antibiotikum soll er – nachdem nun alles ausgeschlossen wurde, was damit zu behandeln wäre – logischerweise nicht mehr bekommen.

Grundsätzlich wäre natürlich ein CT/MRT sinnvoll. Das weiß ich. Allerdings hieße das 4h Autofahrt (eine Strecke), Megastress bis der Hund in Vollnarkose ist (Känguru-Kung-Fu-Boxkampf mit Geräuschkulisse eines wütenden T-Rex-Zombie-Mutanten), Megastress beim Aufwachen (er kennt sich da ja nicht aus, bei meinem Haus-TA schon) und am Ende nur die Gewissheit darüber, DASS was Matsch ist bzw. WAS Matsch ist.

Seine Vorgeschichte spricht natürlich für eine fokale Epilepsie – weshalb er darauf jetzt ja auch behandelt wird. Aber es kann natürlich auch ein Hirntumor sein oder eine andere Veränderung. Letztlich bliebe die Behandlung der Symptome aber die gleiche.

Nun zu meinen Fragen (sorry für den megalangen Text!!!!!):

Hat jemand von euch Erfahrung speziell mit fokaler Epilepsie?

Und wenn ja, heißt das das „Schreien“ ist jeweils ein Anfall oder ist das tagelang ein und derselbe Anfall mit Hochs und Tiefs? Bzw. einfach nur die dauerhafte Vorstufe zu einem Anfall? Wie war/ist das bei euren Hunden/den euch bekannten Hunden mit dieser Anfallsform?

Haben wir (mein TA und ich) vielleicht was übersehen? Sollte man noch was Anderes testen?

DANKE fürs Lesen!
__________________
"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit."
(Albert Schweitzer)
Martecito ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2017, 13:00   #2
Jiulianna
Jiulianna
 
Benutzerbild von Jiulianna
 

Registriert seit: 02.12.2015
Ort: Leipzig
Beiträge: 240
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Hallo, ich bin schockiert, dies nun von dir über Marte zu lesen; ich dachte, dass er sich in der Zwischenzeit recht gut gemacht hat nach den anfänglichen Schwierigkeiten und mit deiner schier unbändigen Geduld mit ihm ...
Ja, ich denke eigentlich auch, dass es einer Epilepsie-Form ähnelt, denn das gleiche hatte der Hund meiner Eltern auch - so, wie du es bei Marte beschrieben hast!!!
Aber dennoch wäre es vielleicht wichtig, mal ein CT/MRT machen zu lassen, um andere Probeleme ausschließen zu können, auch wenn es eine sehr lange Autofahrt ist ...
Es könnten ja auch innere Veränderungen im Gehirn sein (Tumor o.ä.)

Wenn jedoch eine gewisse Verbesserung durch das Medikament eintritt und die Symptome der Epilepsie abklingen/ganz verschwinden, dann ist das schon das richtige Vorgehen und du musst ihm diese Medikation dann immer geben (leider).

Ich hoffe sehr, dass es immer besser wird und vielleicht ganz verschwindet und drücke die Daumen!!!
Alles Gute für euch!!!
__________________
LG von Jiulianna mit Arco
und Cosco das Drei-Beinchen für immer im Herzen
____________________________________________
Auch behinderte Hunde haben Lebensqualität
Jiulianna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2017, 18:09   #3
Martecito
Neuer Benutzer
 

Registriert seit: 27.11.2015
Beiträge: 17
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Hallo Jiulianna,

Marte hat sich durchaus gemacht und dank Maulkorb ist er ja seit 1,5 Jahren wirklich "als normaler Hund" behandelbar, heißt man kann mit ihm durchaus körperlich agieren bzw. Grenzen setzen und alles. Geblieben sind halt seine Ausflipper und seine recht niedrige Reizschwelle - was andere Hunde müde mit den Augen zucken lässt, ist für ihn an schlechten Tagen halt schon ein Grund sich tierisch aufzuregen. Aber da haben wir ja dann das Teddyschütteln eingeführt zum Abreagieren bzw. seine "stille Treppe" und damit kamen wir bis dato gut zurecht.

Gerade deshalb ist es nun so "gruselig" ihn so "vermindert" bzw. ruhig zu erleben (wobei wiederum das Schlafverhalten ja komplett verdreht ist - vorher hatte er ausgiebige Ruhephasen, auch tagsüber, nachts hatte er einen guten, aber keinen megafesten Schlaf - momentan wird es gerade langsam besser mit der Dauerunruhe tagsüber, nachts ist er weiterhin wie im Koma). Gestern hat er dann auch das erste Mal seit fast drei Wochen wieder seinen Teddy geschüttelt nach dem Reinkommen vom Gassigehen (da ziehe ich ihm dann immer den Maulkorb ab und lasse ihm seine 5-10min im Schlafzimmer (wo die wenigstens fressbaren Dinge in Martereichweite zu finden sind) mit seinem Teddy).

Habe gestern nochmal mit meinem TA gesprochen und wir sind jetzt so verblieben, dass er auf jeden Fall das Pexion erst mal weiter bekommt und wir dann nach 3-4 Wochen nochmal repetieren, was und ob sich etwas verbessert hat. Bevor wir dann anfangen an der Dosis zu spielen (je nach Ergebnis der Bestandsaufnahme) oder anderes, werde ich vermutlich wirklich in den sauren Apfel beißen und ihn zum CT/MRT "schleppen". Bisher habe ich aber tatsächlich das Gefühl, dass es sich von Tag zu Tag bessert.

Gestern war wie gesagt ein fast normaler Tag. Er hatte bei mir vormittags auch keine Schreiattacke, war lange mit den anderen im Garten und hat sogar gebuddelt. An der Leine war er zwar immer noch kaum geradeaus zu bekommen, aber deutlich unvehementer in seinem Kreislaufen, als noch am Wochenende. Nachmittags bei meiner Mitbewohnerin war er dann wohl wieder ziemlich unruhig, ließ sich aber Hinlegen und quasi in den Schlaf streicheln. Aus dieser Ruhe heraus, hat er aber plötzlich wieder eine Schreiattacke gehabt und danach das erste Mal nicht nur gezittert, sondern deutlich gezuckt. Er war aber gut zu beruhigen und hat sich dann auch schnell wieder von alleine hingelegt.

Im Großen und Ganzen spricht alles einfach dafür, dass die Region im Hirn, die wohl schon bei der Geburt "matschgegangen" ist, nun einfach mehr und mehr Probleme macht und es nicht mehr genug Ausgleich vom Resthirn gibt. Sagt auch mein TA.

Schaun wer mal...*seufz*

Ich bin erst mal froh, dass es Marte wieder so gut geht, dass er sich auch wieder für seine Umwelt und alles interessiert und ich guten Gewissens davon sprechen kann, dass er ein lebenswertes Leben hat! Wenn das heißt, dass wir nun mit Tablettenwecker und etwas mehr Ruhe leben müssen, ist das ja für alle kein Beinbruch! (Tabletten gehen dank Wienerle auch wunderbar in den Hund - Gott bin ich froh, dass er da wenigstens so völlig unkompliziert ist!)
__________________
"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit."
(Albert Schweitzer)
Martecito ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.03.2017, 13:18   #4
Jiulianna
Jiulianna
 
Benutzerbild von Jiulianna
 

Registriert seit: 02.12.2015
Ort: Leipzig
Beiträge: 240
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Hallo, ja das liest sich ja so einiger Maßen gut - ich denke, dass die Tabletten erst einmal richtig wirken müssen und er richtig eingestellt werden muss... Dann wird es sicher immer besser werden!!!! Und wenn nicht, dann musst du wohl wirklich mal in den sauren Apfel beissen und mit ihm die lange Autofahrt zum CT/MRT antreten ...

Wir wünschen jedenfalls alles Liebe und Gute für euch und das es von Tag zu Tag besser wird!
__________________
LG von Jiulianna mit Arco
und Cosco das Drei-Beinchen für immer im Herzen
____________________________________________
Auch behinderte Hunde haben Lebensqualität
Jiulianna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.04.2017, 17:48   #5
Martecito
Neuer Benutzer
 

Registriert seit: 27.11.2015
Beiträge: 17
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

So, nachdem es mir einfach keine Ruhe ließ, war ich gestern mit Marte zum MRT und weiteren Untersuchungen in der TK Hofheim.

Marte wurde auf links gedreht. Ausführliches Vorgespräch mit ein paar Turnübungen und Videosichtungen + MRT Schädel (plus ganzer Hund aufgrund medizinischen Interesses des Arztes) + Liquorpunktion.

Der Neurologe war sich nach dem Vorgespräch (Vorgeschichte, Ernährung, Krankengeschichte etc.pp), den ca. 45min "Vorturnen" und den Videos sicher, dass er zumindest eine Missbildung im Gehirn finden wird.

Tja, gefunden hat er nichts. *lach* Marte ein wunderschönes, symmetrisches Gehirn und keinerlei Hinweise auf eine Entzündung oder erhöhten Hirndruck oder Ähnliches. (weshalb er dann den ganzen Hund durchs MRT gejagt hat und ich nun weiß, dass Marte definitiv keine Schmerzen hat aufgrund von iwelchen muskulären Problemen oder Skelettveränderungen oder durch eine verrutschte Bandscheibe oder so - d.h. das Quietschen/Schreien ist definitiv "seine" Form eines Anfalls)

Einzig bei der Kontrastmittelabbildung zeigten sich Strukturen mit vermehrter Durchblutung, was die Diagnose Epilepsie wohl nochmal bestätigt hat, da gerade bei fokaler Epilepsie keine gravierenden Schäden sichtbar sind und man nur vermehrte Hirnaktivität sehen kann (vermehrte Durchblutung). Ganz sicher kann man das aber nur mit einem EEG in wachem Zustand sagen und das wollten wir dann doch nicht probieren...ich sah Marte schon das tausende Euro teure Equipment dank stupidem Wutdrehen in alle Einzelteile zerlegen...*hust*

Fazit: es gibt keine einfache Lösung mit Medikament X und einer Prognose von noch X guten Jahren. ABER es gibt noch ein paar Optionen, die man nach und nach durchgehen kann, wenn er mit der jetzigen Medikation wieder einen Schub haben sollte. Des weiteren wäre wohl zu testen ob ein spezielles Antidepressiva nicht nochmal eine weitere Verbesserung (vielleicht auch bei den "normalen" Auffälligkeiten) bringt. Das werde ich aber alles nach Befundaustausch und Telefonat von meinem Haus-TA mit der Klinik dann genauer erfahren.

Der Neurologe meint, dass Marte wahrscheinlich schon immer eine Art der fokalen Epilepsie hat - vielleicht auch nur in Form von leichtem Kribbeln in den Hinterbeinen oder Ähnlichem - und aufgrund der Fehlbehandlung (Fluoxetin) bzw. Nicht-Behandlung und der erschwerten Bedingungen (keine feste Bezugsperson, kaum Ruhe etc. pp) hat sich aus der Reaktion auf Überreizung (also das "körperliche" Kribbeln oder Ziehen oder whatever) eine Psychose entwickelt, die sich dann in übersteigertem Verhalten (Schwanzbeißen, Kreiseln etc.) manifestiert hat. Wegbekommen werden wir das alles also nicht mehr.

Ich habe aber auch gefragt, wie er den ganzen Fall einschätzt bezüglich der Lebensqualität etc. Er meinte, dass er bei mir das Gefühl hat, dass ich sehr gut beobachten kann und auch kleine Anzeichen durchaus bemerke und deuten kann. Und dass er bei dem Marte den ich ihm vorgestellt habe - neugierig, umweltinteressiert, sehr gezielt und definiert in seinem Verhalten (wen knurre ich wie und wann an, wann und wie wehre ich mich gegen was etc.) keinen Grund sieht, nicht mit dem Weg weiter zu machen, den wir gerade verfolgen.

Er hat auch nochmal sehr deutlich geäußert, dass man durchaus sieht, dass ich für den Hund "der Fels in der Brandung" bin und dass so was gerade bei dieser "diffusen" Epilepsieform wichtig ist. Marte wurde mir nach der Narkose wirklich noch gut schlafend gebracht (Augen zu, Zunge quer), aber er brummelte schon vor sich hin, weil er von den Helferinnen nicht getragen werden wollte. Sie legen ihn neben mich auf die Matte, ich sage was und sofort hörte das Brummeln auf und der kleine Stummelschwanz wackelte ein bisschen. Selbst voll gedröhnt, erkennt er mich. <3

Wenn er so bleibt wie jetzt mit der Medikation, dann sehe ich auch keinen Grund in seiner Epilepsie irgendwie über einschläfern nachzudenken. Er schläft wieder gut durch und ruht auch tagsüber ausreichend (dank Webcamüberwachung sehe ich das auch wenn ich nicht zuhause bin), er spielt wieder mit seinem Teddy, er geht gerne und lange raus, er quietscht maximal noch 1-2 Mal am Tag, manche Tage auch gar nicht mehr und danach ist er sofort ablenkbar und verfällt weder in Panik noch in iwelche stereotypen Bewegungen. Er ist weiterhin deutlich ruhiger, aber das ist sicher nicht das Schlechteste, wenn er dank der Medis auch in "Normalsituationen" nicht mehr so schnell so übermäßig hochfährt. Und vielleicht reißt das Antidepressiva ja tatsächlich nochmal was!

Mein Leben ist jetzt auch dank Marte perfekt getimet... 6:30 Uhr zwei Tabletten, 14:30 Uhr eine Tablette, 18:30 Uhr eine Tablette, 22:30 Uhr noch eine Tablette. Er reagiert sogar schon auf das "Ping" von meinem Handy und kommt dann angelaufen oder setzt sich zumindest auf, weil er weiß er bekommt dann ein Stück Wienerle mit Inhalt. Gott sei Dank ist er da so unkompliziert und misstraut mir da in keiner Weise, obwohl er schon ein paar Mal fies auf die Tabletten gebissen hat und dann ziemlich unglücklich aussah, weil es wohl recht ekelig schmeckte...
__________________
__________________
"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit."
(Albert Schweitzer)
Martecito ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2017, 17:30   #6
Linda
Benutzer
 

Registriert seit: 21.09.2016
Beiträge: 58
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Es muß wohl ein paar gute Medikamente geben bei Epis. Ich drücke Euch die Daumen, daß es gut anschlägt. Zu. Glück kein Tumor.
Grüße, Linda und das rolifahrende Einauge Caprioara.
Linda ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.04.2017, 14:41   #7
Jiulianna
Jiulianna
 
Benutzerbild von Jiulianna
 

Registriert seit: 02.12.2015
Ort: Leipzig
Beiträge: 240
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Hallo... ich hoffe, dass es weiterhin so gut läuft und ihr die Medikamente gut einstellen könnt - es gibt auch ein Medikament, welches man direkt bei einem Anfall geben kann, damit es sofort aufhört, weiss aber leider nicht mehr, wie es heisst...
Ich drück die Daumen und wünsch euch alles Liebe und Gute weiterhin!
__________________
LG von Jiulianna mit Arco
und Cosco das Drei-Beinchen für immer im Herzen
____________________________________________
Auch behinderte Hunde haben Lebensqualität
Jiulianna ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.04.2017, 12:45   #8
Klara
Erfahrener Benutzer
 

Registriert seit: 12.08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 1.092
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Man gibt häufig Diazepam nach einen schweren Anfall oder wenn man bemerkt das der Hund nur schwer aus einem Anfall rauskommt.
__________________
Liebe Grüße von Cornelia mit Lilly und Klara und Senta im Herzen

Klara ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.10.2017, 17:46   #9
Martecito
Neuer Benutzer
 

Registriert seit: 27.11.2015
Beiträge: 17
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Hallo Leute,

da es ja viel zu wenig Beispielfälle gibt - gerade bei der fokalen Epilepsie - dachte ich, dass ich hier mal wieder aktuell berichte.

Als Erstes: Marte geht es momentan sehr gut!

Nach dem MRT und dem ganzen Untersuchungsmarathon sind wir ja bei 1/2 Pexion 400mg zwei Mal täglich und 1 Gabapentin 300mg drei Mal täglich angekommen und gut damit "gefahren". Keine Anfälle mehr und Marte durchaus in einem Zustand, der gepasst hat. Keine allzu schlechte Laune und wenn dann nur kurz, kein übersteigertes Aufregen, viel Schlaf und Interesse an seiner Umwelt.

Leider fing es dann vor ca. 2 Monaten wieder an. Nicht so schlimm wie beim ersten Mal. Aber vielleicht haben wir es auch einfach nur früher bemerkt, weil wir eben wussten worauf wir achten müssen. Marte wurde wieder deutlich unruhiger, schlief schlechter und hatte fast dauerhaft schlechte Laune. Seine Reizschwelle war so niedrig, dass es teilweise gereicht hat, wenn in der Küche was runtergefallen ist um ihn für 20-30min komplett aus der Fassung zu bringen (Kreiseln, Knurren, Rumschnappen, sich selbst beißen). Und somit kamen auch die Anfälle wieder - immer dann wenn er sich aufgeregt hatte bzw. aus dem Tiefschlaf heraus. Kurzes Schreien/Quietschen, wackelig auf den Beinen, Zittern, leichte Desorientierung.

Natürlich sind wir wieder mit ihm zum TA. Da die Medikamentendosierung schon recht hoch ist und wir da kaum noch Spielraum haben bzw. wir uns den wenigen Spielraum gerne noch "aufsparen" würden, kamen wir zum dem Entschluss, dass wir es doch nochmal wieder mit Fluoxetin versuchen. Dass ihn das runterfährt, wussten wir ja. In Spanien ist nur seine Epilepsie nicht mitbehandelt worden und durch die immer stärker und häufiger werdenden Anfälle hat das halt irgendwann "nicht mehr gewirkt". Deshalb habe ich es ja vor 2,5 Jahren auch abgesetzt.

Und was soll ich sagen? Es hilft! Marte ist entspannt wie NIE! Nicht dösig, abgeschossen oder voll gedröhnt entspannt, sondern von sich aus entspannt! Das Medi wirkt nun wieder so wie zu Beginn in Spanien und macht ihn einfach insgesamt deutlich ruhiger! Klar dreht er sich auch weiterhin bei Aufregung, klar findet er anfassen trotzdem noch nicht so pralle, aber alles in deutlich gemäßigterem Rahmen. Und durch diese Ruhe haben wir auch seit vier Wochen keinen einzigen Anfall mehr gehabt! Nicht mal ansatzweise.

Ich hoffe und bete, dass wir nun eine Medi-Kombi gefunden haben, die ihm jetzt noch ein paar Jahre auf dieser Erde schenkt und mit der wir nun dauerhaft gut fahren!

Ich liebe diesen kleinen Knilch einfach so sehr und wünsche ihm einfach ein entspanntes, ruhiges und schönes Hundeleben!
__________________
"Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit."
(Albert Schweitzer)
Martecito ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.10.2017, 20:15   #10
Elibob
Erfahrener Benutzer
 

Registriert seit: 15.05.2012
Ort: BW
Beiträge: 1.422
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

Da hoffe ich mit, dass es so gut und konstant bleibt. Danke für den Bericht!!!
__________________
Liebe Grüße
von Elisabeth mit Quando, Prinz und Dreibeinchen-Mara
Elibob ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 23:10 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.4 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Template-Modifikationen durch TMS
(c) Behinderte-Hunde-Forum.de